Einen denkwürdigen Abend erlebten die 130 Gäste in der ausverkauften Lesung mit der russischen Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa im Stralsunder STiCer-Theater. Nachdem sie einige Passagen aus ihrem Buch „Der Schlüssel würde noch passen“ gelesen hatte, berichtete sie über die Entstehung und Arbeit der Organisation „Memorial“, die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Inzwischen ist „Memorial“ von Putins Regime verboten und als terroristisch abgeurteilt worden. Doch die Arbeit geht weiter, wie Irina Scherbakowa berichtete: „Wir sind ein Netzwerk. In 14 Ländern der Erde gibt es Partnerorganisationen.“ Und: „Wir sammeln weiter!“ Jetzt gehe es nicht mehr nur darum, die Geschichte der stalinistischen Unterdrückung zu untersuchen, sondern auch Kriegsverbrechen und Völkerrechtsverletzungen der Gegenwart zu dokumentieren, wie sie in Tschetschenien und der Ukraine passieren würden, bekräftigte die Historikerin und Publizistin.
Die 76-Jährige, die im Exil in Berlin lebt, schien keineswegs müde oder abgekämpft. Ob sie nicht manchmal Angst um Leib und Leben habe, wollte STRANDLÄUFER-Verleger Peter Hoffmann, Moderator des Abends, von ihr wissen. Das wies Irina Scherbakowa von sich. „Angst? Nein. Da sind andere Gefühle, vor allem Wut und Zorn“, bekannte sie. Angst habe sie vielmehr um langjährige Mitstreiter von „Memorial“, darunter Menschenrechtsanwälte, die bis zum Schluss gegen das Verbot der Organisation gefochten haben, und die nun dringend aus Russland entkommen müssten. Es gebe momentan aber kein europäisches Land, das sich zur Aufnahme dieser Aktivisten bereit erklärt, bedauerte sie.
Fast eine Stunde lang beantwortete die Publizistin geduldig Fragen aus dem Publikum, bis sie von STRANDLÄUFER-Buchhändlerin Katrin Hoffmann am Ende des Abends mit den Worten verabschiedet wurde: „Frau Scherbakowa, was sind Sie für eine mutige, mutige Frau!“ Viele Besucher erhoben sich daraufhin beim Schlussapplaus von ihren Plätzen und würdigten Irina Scherbakowa mit stehenden Ovationen.

Irina Scherbakowa und Peter Hoffmann im Gespräch auf der Bühne. Foto: K. Hoffmann



Am 10. Juli 2026 ist Irina Scherbakowa Gast des nächsten STRANDLÄUFER-Lesungsabends. Sie stellt ihr Buch „Der Schlüssel würde noch passen – Moskauer Erinnerungen“ vor, das Ende vorigen Jahres bei Droemer erschienen ist. Das neue Buch der renommierten und vielfach ausgezeichneten Historikerin, Publizistin und Schriftstellerin erzählt von den kurzen Jahren der Perestroika. Scherbakowa berichtet vom Alltag und vom politischen Aufbruch in Moskau und auf dem Land zu Beginn der 1990er-Jahre. Sie beschreibt die ungewohnte Freiheit und wie die Menschen mehr schlecht als recht damit umzugehen lernten. Das Thema der Autorin ist auch ihre bis heute andauernde aktive politische Tätigkeit und das scheinbar unaufhaltsame Abgleiten Russlands in die Diktatur.



Der im vergangenen Jahr erschienene jüngste Stralsund-Krimi „Echte Strunken“ zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Büchern des STRANDLÄUFER Verlages. Das hat sich auch unter Stralsunder Gartenfreunden herumgesprochen, denn der satirische Krimi spielt bekanntermaßen im Kleingarten-Milieu. Der Kleingartenverein Andershof hat Autor Peter Hoffmann nun zur Lesung vor Ort eingeladen: Am 28. Mai 2026 um 19 Uhr findet eine öffentliche Buchvorstellung in der Gartensparte statt. Bei Regenwetter geht’s ins Vereinsheim, bei Sonnenschein trifft man sich auf der Terrasse davor. Der Eintritt ist frei, lediglich eine Spendenbox wird herumgereicht. Nichtsdestotrotz nimmt die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung ab sofort Platzreservierungen entgegen, um den Stuhlbedarf abzuschätzen. Das ist unter der Telefonnummer 03831/6660555 oder per Mail unter 
