Der Laden

Frische Bücher! Frische Bücher! Am 11. September 2014 öffnete die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung ihre Türen. Neben den Stralsund-Krimis, Regional-Kochbüchern, Fünf-Minuten-Geschichten, der Stralsunder Strandkorb-Lektüre und anderen Publikationen aus dem STRANDLÄUFER Verlag findet man dort eine exquisite Auswahl Kinder- und Jugendbücher, opulente Kochbücher, schöne Bücher über Stralsund und Vorpommern sowie einen Tisch mit handverlesener neuester und zeitlos aktueller Belletristik. Ein Laden voller Lieblingsbücher also. Frische Bücher! Frische Bücher! Die jüngste Buchhandlung Stralsunds befindet sich in einem der ältesten Häuser der Stadt – dem Museumshaus Mönchstr. 38. Seit 600 Jahren wird an diesem Ort mit den unterschiedlichsten Dingen gehandelt. Peter und Katrin Hoffmann sind die 26. Generation „Krämer“ in diesem einmaligen Museumsstück, das die Besucher vom Kriechkeller bis zum Aufzugsrad erkunden können. 1990 erhielt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das stark beschädigte und seit Jahren unbewohnbare Haus als Schenkung. Mit großem Aufwand wurde daraus ein lebendes Museum, das Auskunft über die Bau- und Alltagskultur in einem der wenigen original erhaltenen Krämerhäuser Norddeutschlands gibt. Auch die Einrichtung der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung ist geschichtsträchtig: Antike Apotheker-Schränke aus Stralsunds ältester Apotheke bilden den Rahmen für neue und alte Bücher, Autographen, kulinarische Kostproben und skurrile Stralsund-Souvenirs. Ein Ort zum Stöbern, Entdecken und zum Zeit vergessen. Frische Bücher! Frische Bücher! 25 Quadratmeter Ladenfläche – das bedingt Beschränkung und Auswahl, bietet aber gleichzeitig die Chance zu Diskussion und Austausch. Die Besucher der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung machen bereits regen Gebrauch davon. Viele verraten ihre Lieblingsbücher, die sich dann gegebenenfalls im Sortiment wiederfinden. Und jeder darüber hinausgehende Wunsch kann per Bestellung erfüllt werden. In der Regel dauert es nur 24 Stunden, bis das gewünschte Buch in der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung abgeholt werden kann.
Wenn Sie uns erreichen wollen:

STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung
Mönchstr. 38
18439 Stralsund
Telefon: 03831/6660555
E-Mail: info@strandlaeufer-verlag.de
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10 bis 18 Uhr Samstag 10 bis 14 Uhr

Die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung verfügt seit Kurzem über ein neues Dienstfahrzeug: Mit dem BÜCHER!-Fahrrad sind wir im Stadtgebiet in Sachen Kundenservice unterwegs.

 


Die unerzählte Geschichte des Museumshauses Mönchstraße 38 – Tätergeschichte sichtbar machen

Das Museumshaus Mönchstraße 38, in dem wir seit 2014 die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung betreiben, ist ein Ort, der Geschichte vom 14. Jahrhundert bis heute erlebbar macht. Seit September 2024 haben wir Kenntnis, dass in diesem Haus Herbert Lange (1909 bis 1945) aufgewachsen ist und zwei Drittel seines Lebens verbracht hat. Herbert Lange ist ein NS-Kriegsverbrecher, eine Schlüsselfigur des Holocaust. Seine Mutter Anna Lange betrieb in der Räumlichkeit unserer Buchhandlung ihr Lebensmittel-Geschäft.

Vor dem Nachbarhaus Mönchstr. 39 liegt ein Stolperstein für Max Cohn, Jahrgang 1909 – wie Herbert Lange. Max Cohn wurde deportiert und 1940 ermordet. Opfer und Täter Tür an Tür. Wir als Buchhandlung und ausgezeichneter Ort der Kultur betrachten dieses Wissen als Verpflichtung, aufzuklären und zu erinnern: Nur so lässt sich aus der Geschichte lernen.

Hier finden Sie Informationen zu Herbert Lange sowie über unsere Bemühungen in diesem Kontext.

Katrin und Peter Hoffmann 
STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung, Mönchstr. 38, 18439 Stralsund
www.strandläufer-verlag.de


MDR-Podcast „NS-Cliquen: von Menschen und Mördern“

Quelle: MDR – Grafik: Marie Ronniger

„Warum wurden Menschen während der NS-Zeit zu Tätern und Täterinnen? Und was heißt das eigentlich: Täterschaft? Der Podcast „NS-Cliquen: von Menschen und Mördern“ geht ganz persönlichen Geschichten auf den Grund, Biografien von Frauen und Männern, die durch ihre Beteiligung Gewalt und Massenmord aufrechterhalten oder sogar ausgeübt haben. Nicht jede oder jeder von ihnen führte eine Waffe. Der Historiker Dr. Stefan Hördler von der Universität Göttingen und die Wissenschaftsjournalistin Janine Funke tauchen in diese persönlichen Lebenswege ein. Sie sprechen darüber, wie die Verbindungen zur NSDAP, SS oder Gestapo zustande kamen, welche Netzwerke die Menschen knüpften und wie ihnen diese Seilschaften während der NS-Herrschaft nützten. In den Staffeln 1 und 2 geht es um Personen, die auf vielfältige Weise ins KZ-System verwickelt waren. Sei es als Wachmann oder Kommandant, als Mitarbeiter der Gestapo oder als Spezialist für Hinrichtungen, als Sekretärin, Ehefrau oder Baufirma. Die neue dritte Staffel zeigt Menschen, die im Zweiten Weltkrieg in den deutschbesetzten Gebieten Polens und der Sowjetunion für Morde in Dörfern, Städten und Ghettos verantwortlich waren. Und blickt zugleich auf die Genese der Ermordung von Menschen mit Behinderung und des Holocaust. Der erste und einzige Podcast bei ARD Sounds über die Täter und Täterinnen der NS-Zeit – jetzt mit neuen Folgen!“

Zitat: MDR

Auf den Podcast „NS-Cliquen“ wurden wir von einer Kundin im Buchladen aufmerksam gemacht, die gerade das Museumshaus besucht hatte und mit der wir über unsere Postkarte mit dem QR-Code auf Herbert Lange und die Bedeutung von Tätergeschichten ins Gespräch kamen. 

Der Podcast versteht sich als Forschungsformat und lädt zur kritischen Auseinandersetzung ein. Die Millionenzahl der Abrufe zeigt, wie aktuell das Thema ist.

Eine Fortsetzung der Reihe ist in Vorbereitung.

MDR-Website / ARD Audiothek: Hören Sie alle Folgen direkt im Web oder über die ARD Audiothek App.
Gängige Podcast-Plattformen: Der Podcast ist auch bei Spotify, Apple Podcasts und via RSS-Feed verfügbar
 
Herzlichen Dank an Herrn Dr. Stefan Hördler von der Universität Göttingen, der aus Stralsund stammt und selber bereits zu Herbert Lange geforscht hat, sowie an Frau Susann Reich vom Mitteldeutschen Rundfunk für die freundliche Unterstützung.

Aktion T4 – 10 Reichsmark für ein Menschenleben

Auf dem heutigen Gelände des Gedenk- und Informationsortes an der Berliner Philharmonie/rückseitig des Potsdamer Platzes befand sich in einer der seinerzeit feinsten Wohngegenden Berlins unter der Anschrift Tiergartenstraße 4 eine prächtige spätklassizistische Villa, die 1890 für den Bankier und Kunstmäzen Valentin Weisbach erbaut wurde. 1909 wurde sie von dem jüdischen Textil-Industriellen Georg Liebermann (1844–1926) erworben. Später ging das Gebäude in den Besitz von Eva Köbener und Hans Liebermann (1876–1938), einem der Brüder des Malers Max Liebermann, über. Hans Liebermann wählte am 11. September 1938 den Freitod. Das Gebäude wurde während der NS-Zeit zunächst „quasi beschlagnahmt“ und dann enteignet. Es wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt und später in den 1950er-Jahren abgerissen.

Die „Aktion T4“ ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für den systematischen Massenmord mittels Giftgas an über 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen innerhalb des Deutschen Reiches. Die Mordaktion von 1940 bis 1941 stand unter Leitung der Zentraldienststelle T4, sie war Teil der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus, denen bis zum Kriegsende über 200.000 Menschen zum Opfer fielen. Eine Übersicht mit weiterführenden Verweisen zum Thema bietet der Wikipedia-Eintrag zur „Aktion T4“: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4.

Am historischen Ort der Tiergartenstraße 4 in Berlin-Mitte entstand ein nationaler Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, der am 02. September 2014 eröffnet wurde. Seit den 1980er-Jahren waren an diesem Ort bereits mehrere Gedenkformen und -aktionen entstanden. So wurde eine Stahlskulptur von Richard Serra („Berlin Curves/Berlin Junction“, 1986) 1988 zu einem Monument für die Opfer umgewidmet, daneben wurde eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen. Nach jahrelanger Kritik an der fehlenden Sichtbarkeit des Gedenkortes beschloss der Deutsche Bundestag 2011 die Aufwertung des bereits bestehenden Denkmals.

Herbert Lange wird auch am Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4 herausgehoben als einer der Haupttäter benannt und thematisiert.: https://www.t4-denkmal.de/Herbert-Lange.

In dem abgebildeten Schriftstück geht es um eine „Vorschusszahlung“ im Zusammenhang mit der „Evakuierung“ von Patienten, die sich Herbert Lange „zur Bestreitung seiner laufenden Ausgaben“ genommen hat. Der Preis eines Menschenlebens: 10 Reichsmark.

Fotos: Peter Hoffmann

Buggestraße 7 in Berlin-Steglitz

Buggestraße 7, Herbert Langes Wohnadresse in Berlin-Steglitz (Foto: Peter Hoffmann)

„Neben den Fahrten nach Litzmannstadt, wo er sich mit Hans Biebow, dem Ghettoverwalter, traf, um z. B. die beste Methode zur Verarbeitung der von den Toten geborgenen Stapel von Wertsachen und Kleidung zu besprechen, ließ sich Lange am Ende der meisten Wochen von seinem Fahrer Burmeister nach Posen zurückbringen, wo er sich mit seinem Gestapo-Team und seinen Vorgesetzten traf. Dies ermöglichte ihm auch, am Wochenende mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern Freizeit zu verbringen und vielleicht eine Partie Tennis zu spielen, was er sehr genoss, bevor er zu Beginn der neuen Woche ins Vernichtungslager zurückkehrte, um die ‚Arbeit‘ wieder aufzunehmen.“ So schreibt Andrew Wallis auf Seite 95 in den Stralsunder Heften vom September 2026 (s.u.).

Herbert Langes Wette auf eine bessere Zukunft schien aufzugehen. Dies war auf alle Fälle ein ganz anderes Leben mit Fahrer und Tennisspiel am Wochenende als seinerzeit unter den prekären Verhältnissen in seinem Elternhaus, der Mönchstraße 38 am Stralsunder Neuen Markt. 1942 kehrte Lange nach Berlin zurück, um für das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu arbeiten. Seine Berliner Wohnadresse war die Buggestraße 7 in Berlin-Steglitz unweit des U-Bahnhofs Breitenbachplatz an der U-Bahn-Linie 3. Das Gebäude steht heute noch. Der U-Bahnhof wurde im Krieg kaum zerstört und zeigt noch heute Teile der originalen Ausstattung aus der Zeit der Inbetriebnahme im Jahr 1913. Eine ruhige Seitenstraße führt durch eine auch heute begehrte Wohngegend. Damals war das Gebäude neu, modern und bot allen Komfort der Zeit. Der Vergleich mit der abgewohnten, von den Jahrhunderten gebeugten Mönchstraße 38 spricht Bände. Von der Buggestraße aus machte sich Herbert Lange auf zu seinen Ermittlungen und Verhören, hierher kehrte er anschließend zu seiner Familie zurück. So und ähnlich wohnten die Täter.

Unwillkürlich ertappt man sich bei der Frage, was geschehen wäre, wäre Herbert Langes Wette auf die Zukunft aufgegangen. Welchen Weg hätte er noch genommen? Was hätte das für uns alle bedeutet?

Topographie des Terrors

Foto: Peter Hoffmann

Die „Topographie des Terrors“ ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin-Kreuzberg, dass sich der Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors im nationalsozialistischen Deutschland verschrieben hat. Dazu gehören eine Dauerausstellung und Sonderausstellungen sowie eine umfassende Bibliothek im Dokumentationszentrum an der Niederkirchnerstraße 8 (vormals Prinz-Albrecht-Straße 8), das im Jahr 2010 eröffnet wurde, sowie eine bereits zuvor eingerichtete Freiluftausstellung und ein Gelände-Rundweg mit Erläuterungen zur Geschichte des historischen Ortes.
Die Einrichtung wird von einer gleichnamigen Stiftung betreut, die 1992 gegründet wurde und vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam getragen wird. Die „Topographie des Terrors“ versteht sich weder als Museum noch als Gedenkstätte, sondern als ein Ort der Information und der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NS-Staates.
Das Gelände der „Topographie des Terrors“ befindet sich in zentraler Lage zwischen Potsdamer Platz, Anhalter Bahnhof und der historischen Stadtmitte Berlins. Zur Zeit des Nationalsozialismus befanden sich die wichtigsten Institutionen des Verfolgungs- und Terrorapparates des NS-Staates an diesem Ort:

In der damaligen Prinz-Albrecht-Straße 8 befand sich die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo).

In der Prinz-Albrecht-Straße 9 war ab 1943 der Sitz des Reichsführers-SS Heinrich Himmler.

Das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102 wurde 1934 zur Zentrale des Sicherheitsdienstes (SD) der SS und ab 1939 auch des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). Die schwer beschädigten Gebäude wurden in den 1950er-Jahren abgerissen. Lediglich Kellerfundamente haben sich erhalten.

Herbert Lange wurde 1942 in das Reichssicherheitshauptamt versetzt und arbeitete dort im Reichskriminalpolizeiamt. Er war hier maßgeblich an den Ermittlungen und Verhaftungen um den Solf-Kreis sowie nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler gegen die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg beteiligt (siehe auch Beiträge vom 24. März und 21. Juli 2026). Für seine Dienste bei der Verfolgung von Widerstandskämpfern stieg er bis zum SS-Sturmbannführer auf.

Auf der heute mit Schotter bedeckten Freifläche vor dem Dokumentationszentrum befanden sich seinerzeit u.a. kleine Werkstattgaragen sowie eine kleine Tankstelle. Hier wurden Ende 1941/ Anfang 1942 zwanzig Gaswagen, die an diesem Ort konzipiert und entwickelt wurden, endmontiert und mit ihren Fahrern auf den Weg gebracht. Wahrscheinlich verließen sie das Gelände durch das Haupttor an der Prinz-Albrecht-Straße, um dann links in die Wilhelmstraße einzubiegen und sich schließlich auf ihren Weg in den Osten zu machen.
Auf dem Gelände gibt es aktuell keine Informationstafel zu den Gaswagen und ihren 300.000 bis 350.000 Opfern (siehe auch Beitrag vom 21 Juli 2026 zur Arbeit von Cameron Munro und der Tiergarten4Association e.V.: Engineered for Mass Murder – The Nazi Gas Vans: 1939 – 1945).

Die Morde an den Patienten der Landesheilanstalt Stralsund

„Von Anfang Dezember 1939 bis Mitte Januar 1940 wurden in der Anstalt Dziekanka rund 1.043 Patienten von Langes Sonderkommando ermordet. Bei zwei ‚Aktionen‘ in der Anstalt Kosten (Koscian) Mitte Januar 1940 wurden 543 Patienten getötet und Wehrmachtstruppen in die geräumte Einrichtung verlegt. Im Februar bis Anfang März wurden 2.750 Patienten aus deutschen Krankenhäusern wie Stettin, Treptow und Lauenburg zur Tötung nach Koscian gebracht. Dutzende von Patienten aus dem Stralsunder Krankenhaus, die in die Anstalt Ueckermünde ‚evakuiert‘ worden waren, wurden von Langes Kommando ebenfalls zur Vergasung nach Koscian gebracht.“ So Andrew Wallis in seiner unten erwähnten Abhandlung vom September 2024 auf Seite 92. Hier schließt sich ein Kreis zu Herbert Langes Heimatstadt Stralsund.

 Krankenhaus-West in Stralsund: „Viele Patienten, die in Krankenhäuser wie Ueckermünde ‚evakuiert‘ wurden, wurden später nach Kosten (Koscian) verlegt und Anfang 1940 von Langes Sonderkommando vergast.“ Andrew Wallis, Stralsunder Hefte vom September 2024, Seite 93.

Im Bildvordergrund links sieht man die auf dem Klinikumsgelände verlegte Stolperschwelle, die an die 1.160 von dort deportierten Patienten erinnert. Eine zweite Stolperschwelle befindet sich auf dem Stralsunder Hauptbahnhof, wenn man aus dem Hauptgebäude in Richtung Gleise geht. Foto: Peter Hoffmann

 

„Kurz nach Beginn des II. Weltkrieges wurde die Landesheilanstalt Stralsund 1939 als erste Klinik auf deutschem Boden auf Veranlassung des Gauleiters für die preußische Provinz Pommern, Franz Schwede-Coburg (1888-1960), aufgelöst, um das Gelände als SS-Kaserne zu nutzen. Dabei wurden 1.160 Patienten in zehn Transporten mit dem Zug deportiert.

Die Räumung der Stralsunder Heilanstalt begann am 17.11.1939 – noch vor dem offiziellen Beginn der zentralen ‚Euthanasie‘-Aktion ‚T4‘. Die Krankenbücher weisen für die ersten drei Patiententransporte lediglich den Passus ‚ver(legt) in West(preußische) Anstalt‘ auf. Dies stellte die Chiffre für die Mordaktion dar, bei der auf dem besetzten polnischen Territorium in den Wäldern von Piasnica bei Neustadt (Wejhewero) im Gau Danzig-Westpreußen etwa 1.400 Patienten aus den Heilanstalten des pommerschen Provinzialverbandes erschossen wurden. 300 dieser Patienten stammten aus Stralsund. Sie wurden in Transporten mit je 50 Männern und 50 Frauen am 17.11, 20.11. und 29.11 1939 direkt der Tötung zugeführt. Das klinikeigene Personal begleitete sie bis zur Bahnstation in Neustadt. Dort wurden die Patienten, die zuvor mit Medikamenten stark sediert worden waren, von Angehörigen des ‚SS-Wachsturmbanns E‘ übernommen, mit Lastwagen in den Wald gefahren und nacheinander durch Genickschuss getötet.

Mit sieben weiteren Transporten in die Landesheilanstalten Lauenburg, Treptow an der Rega und Ueckermünde wurde der überwiegende Teil der verbliebenen Patienten bis Mitte Dezember verlegt. Am 9.12. und 11.12.1939 verbrachte man 355 Patienten nach Lauenburg. Auch diese Anstalt wurde bereits Anfang 1940 für eine Nutzung durch die Waffen-SS aufgelöst, wobei man einen Teil der Patienten im Warthegau vergaste und den anderen Teil in die noch bestehenden Kliniken verlegte, wo sie von der ‚Aktion T4‘ erfasst wurden.

279 Patienten aus Stralsund verließen mit Transporten am 12.12, 13,12. und 14.12.1939 die Anstalt in Richtung Treptow an der Rega. Auch diese Anstalt wurde mit der Verlegung von 665 Patienten nach Meseritz-Obrawalde Ende Juli 1941 geräumt. Hier richtete man nachfolgend ein Lazarett ein. Nachweislich wurden 157 der Stralsunder Patienten von Treptow an der Rega nach Posen und Meseritz-Obrawalde verlegt, wo sie mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet wurden.

Am 9.12. und 10.12.1939 gingen zwei Transporte mit 226 Patienten auf den Weg in die Landesheilanstalt Ueckermünde. Von dort verließen Patiententransporte die Anstalt nach Neustadt, Kosten bzw. in den Warthegau, nach Meseritz-Obrawalde, Kückenmühle und andere Einrichtungen. Ende Februar 1940 waren bereits 502 der Ueckermünder Patienten erschossen oder durch Gas getötet worden. Auch die überwiegende Zahl der von Stralsund nach Ueckermünde verlegten Patienten fand den Tod.

Mehr als 100 Patienten verblieben offenbar zunächst auf dem hiesigen Klinikgelände. Mit der endgültigen Auflösung wurden diese, wie auch Angehörige des Personals, in die spätere Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt. Ihre Namen sind in den Transportlisten der Hauptkrankenbücher nicht dokumentiert und konnten somit nicht erfasst werden. Es gibt Hinweise, dass einige wenige nur leicht kranke Patienten, die zur Arbeit gebraucht wurden, noch nach 1939 auf dem Gelände verblieben.“

Diese Angaben stehen auf der Mahnmal-Stele am Gedenkort neben der Klinikumskirche auf dem Gelände des Krankenhauses West – Helios Hanseklinikum, Stralsund, eingeweiht 2013. Die Stelen am Gedenkort geben Auskunft über die Morde an den Patienten der damaligen Landesheilanstalt Stralsund und listen die Namen der Opfer auf, soweit diese bekannt sind. Auf diese Weise wird versucht, „ihnen einen Teil ihrer Würde zurückzugeben, das ihnen geschehene Unrecht anzuerkennen und an ihr Schicksal zu mahnen“.

Bereits diese Patientenmorde – mithin die ersten organisierten nationalsozialistischen Massenmorde – wären nicht möglich gewesen ohne ihr gesellschaftliches Umfeld – und das war die nationalsozialistische Volksgemeinschaft. 1.160 Patienten verschwinden aus Stralsund: Es gab die direkten Täter. Es gab die Helfer und Helfershelfer. Es gab die, die weggesehen und geschwiegen haben, die nicht wissen und vergessen wollten.

Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch den Beitrag vom 26. Mai 2026.

 

Nachtrag zu Bernau

Am 11. September 2026 erreichte uns eine Mail von Herrn Klaus-Dieter Jäschke aus Bernau, in welcher er uns mit Fotobeweis mitteilte, dass die Grabplatte mit dem Namen Herbert Langes und dem mutmaßlichen Sterbedatum rückgetauscht wurde und wieder an ihrem Platz liege. Im Übrigen sei er für diese Kennung am Ort.

Die Sammelgrabstätte, in der Herbert Lange mutmaßlich bestattet ist, liegt in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs des Neuen Friedhofs an der Bernauer Jahnstraße. Inzwischen konnten wir uns vor Ort überzeugen, dass unlängst tatsächlich ein Rücktausch der Grabplatte erfolgte.

 Herbert Langes Grabplatte befindet sich wieder an ihrem bisherigen Platz. Foto: Peter Hoffmann

An der kleinen Grabanlage mit einem Halbrund von Grabplatten um einen Stein mit der Aufschrift „Ruhet in Frieden“ kommen viele der Bernauer Friedhofsbesucher vorbei, die sich gewiss fragen, warum hier augenscheinlich gut achtzig Jahre nach Kriegsende Grabplatten neu verlegt werden. Nicht zu Unrecht.

Der Eingriff in eine bestehende Kriegsgräberstätte ist gewiss nicht unproblematisch. Allein schon von den Zuständigkeiten und gesetzlichen Regelungen her. Die Anlage in Bernau steht unter der Verwaltung der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde. Die Kommune, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und ggf. Landesbehörden dürften ebenfalls in die anstehenden Fragen involviert sein. Hier wäre das besagte „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz)“ zu konsultieren.

Wie geht man mit dem mutmaßlichen Grab eines solchen NS-Kriegsverbrechers, der Zehntausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, auf dieser Kriegsgräberstätte um? Wie wird man der tatsächlichen Kriegsopfer gerecht, die mit ihm auf dem Bernauer Friedhof ruhen? Wie ist es zu vertreten, dem Massenmörder Lange dauerhaft und auf Staatskosten die Grabpflege zu bezahlen und ihn damit zu ehren, während er seine Opfer namenlos vernichtete? 

Besteht die Gefahr, dass das Grab Langes womöglich zu einer Wallfahrtsstätte für Rechtsextreme wird?

Und überhaupt: Ist Herbert Lange tatsächlich dort beerdigt? Sollte man hier nicht zunächst ein für alle Mal die Fakten klären? – So berichtet etwa Johannes Tuchel in dem Buch über die Sicherheitspolizeischule Drögen (siehe Beitrag vom 24. März 2026) davon, dass es Mitte der 50er-Jahre einen Aktenvermerk gab, Herbert Lange sei inzwischen im Staatssicherheitsdienst der DDR tätig. Belege dafür hätten sich allerdings nicht finden lassen …

Was sagen die Bernauer Friedhofsnutzer zu diesen Erkenntnissen? Sollte man den Sachverhalt öffentlich thematisieren und dokumentieren? Auf dem Friedhof selbst oder an einem anderen Ort?

Fragen über Fragen. Zu hoffen ist, dass die Verantwortlichen mit Stringenz und Sensibilität zu einer guten Lösung gelangen.

 

Mutmaßliches Ende in Bernau

Auf dem Neuen Friedhof in Bernau weist seit Kurzem nichts mehr namentlich auf Herbert Lange hin.
(Foto: Peter Hoffmann)

Sein mutmaßliches Ende fand Herbert Lange am 20./21. April 1945 in Bernau bei Berlin.

Am 19. April 1945 kündigten sich die bevorstehenden Kampfhandlungen in der nordöstlich von Berlin gelegenen brandenburgischen Kleinstadt Bernau durch Geschützdonner und Überfliegen des Terrains im Wehrbezirk 3 an. Eine Einheit des Sicherheitspolizei-Bataillons, dem Herbert Lange angehörte, hatte auf Schloss Börnicke in der Hasenheide östlich von Bernau einen Stützpunkt. Der Volkssturm bezog Stellungen zur Abwehr der herannahenden sowjetischen Truppen, die er jedoch bald wieder verließ. Ungeordnete deutsche Truppen auf dem Rückzug zogen durch. Menschen, die sich dem Krieg entziehen wollten, um zu überleben, wurden getötet. Die Kämpfe begannen am 20. April 1945 und endeten am Abend des Folgetages. Eine kämpfende Einheit des „3. SS-Sipo-Bataillons“ in der Ortslage wurde nach dem Ende der Kampfhandlungen erwähnt. Die sowjetischen Truppen marschierten anschließend weiter Richtung Berlin und Richtung Westen.

Am 21. April übernahmen Einheiten der 47. Armee der 1. Belorussischen Front Bernau. Am 22. April 1945 wurde Leutnant Konrad Wolf (1925 – 1982) – später einer der wichtigsten Regisseure in der DDR, langjähriger Präsident der Akademie der Künste und seit 1981 Mitglied des Zentralkomitees der SED – für einen Tag der erste sowjetische Stadtkommandant von Bernau. Seine dortigen Erlebnisse verarbeitete er in dem Antikriegsfilm „Ich war neunzehn“ aus dem Jahr 1968. Der Schwarzweißfilm besticht noch heute mit seinen ikonischen Bildern und der eindringlichen mosaikartigen Darstellung der letzten Kriegstage.

Auf dem Gelände des Schönfelder Weges zwischen Schloss Börnicke und Bernau wurden am 08. Mai 1945 sechs Leichen geborgen. Diese wurden dann am selben Tag ohne Sarg in einem länglichen Reihengrab auf dem Neuen Friedhof von Bernau in der Jahnstraße im Sammelgrab Abteilung J bestattet. Eine dieser Leichen trug das Soldbuch Herbert Langes bei sich. Aufgrund dessen wurde vom Standesamt Bernau 1947 eine Sterbeurkunde für Herbert Lange ausgestellt. Sie wurde auf den 20. April 1945 datiert.

Klaus-Dieter Jäschke vom „Arbeitskreis Gedenken des Territorialen Bündnisses Bernau bei Berlin“ verfasste 2024 eine Ausarbeitung mit dem Titel „Schatten – Die Botschaft der Grabstätte Abteilung J für das Erinnern und Gedenken in Bernau bei Berlin“, in der er seine umfassenden Recherchen zum mutmaßlichen Ende Herbert Langes schildert und belegt. Wir bedanken uns bei ihm herzlich, dass er uns seine Zusammenstellung zur Verfügung gestellt hat. Die Schrift ist u.a. im Stadtarchiv Bernau sowie in der Bibliothek des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (blha) in Potsdam vertreten. Wir danken auch der Friedhofsverwaltung in Bernau, die den Kontakt zu Herrn Jäschke ermöglichte.

„Ob der Tote identisch war mit dem im Soldbuch Genannten, interessierte den Bergungstrupp nicht. Ob einem Toten ein Soldbuch zugesteckt worden war, um selbst unerkannt untertauchen zu können, war möglich und auch Praxis. Vor allem, wenn Verfügbarkeit über andere, unverfängliche Dokumente bestanden hatte, um bei einer Absetzbewegung der Erschießung durch die eigene Feld-Gendarmerie zu entgehen.“ So Klaus-Dieter Jäschke in seiner oben genannten Ausarbeitung auf Seite 10.

Weiterhin schrieb uns Herr Jäschke mit Post vom 27. August 2026 zu Herbert Langes mutmaßlichem Ende in Bernau: „Zu berücksichtigen ist, dass das Kriegsende in Bernau um den 21. April 1945 eintrat. Der Todeseintritt der später aufgefundenen toten deutschen Militärangehörigen wurde auf diese Tage datiert, ohne dass das Bergekommando und der Friedhofsgärtner wussten, wann die im Massengrab bestatteten Leichname zu Tode kamen. Geschweige, wer wen tötete. Die Zuordnung der Identitäten beruhte auf dem damals üblichen Prozedere. Identifizierungen und Leichenschauen fanden nicht statt. Die folgenden Fahndungsmaßnahmen nach Kriegsverbrechern waren Aufgabe des NKWD (NKWD steht für das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten, russisch Narodny Kommissariat Wnutrennich Del, der Sowjetunion; Anmerkung des Verfassers), später des K5 des Ministeriums des Innern. Erst mit der Befragung von Personen zum Massenmord begann die Personifizierung der Täter und die Erhellung der Rolle des RSHA (des Reichsicherheitshauptamtes, Anmerkung des Verfassers), also Himmlers Gefolgschaft. Viele seiner Mittäter auf seiner Befehlsebene waren geflohen oder wurden gedeckt. Die Denker des Massenmordes waren andere, er ein Ausführender, an den Platz jeweils beordert, den er skrupellos ausfüllte.“

Wir sind nach allem zu der Auffassung gelangt, dass Herbert Lange mitnichten ein bloßer „Ausführender“ war. Dazu brachte er zu viel Eigeninitiative auf. Durch seine praktische Umsetzung der Morde und seine Beteiligung an der Entwicklung und Umsetzung der Massenmordtechnik der Gaswagen wurde er zu einer Schlüsselfigur des Holocaust.

Es nimmt kein Wunder, dass die Vermutung aufkam, Herbert Lange habe wie so manche andere das Chaos der letzten Kriegstage genutzt, um unterzutauchen, um der Strafe für seine Verbrechen, die ihm gewiss war, zu entgehen.

In seiner Abhandlung von 2024 schreibt Klaus-Dieter Jäschke hierzu weiterhin: „Die nach 1947 bis in die 2000er-Jahre nachweislich vollzogenen Fahndungsmaßnahmen zu Herbert Lange legen nahe, dass diese These auch in die Überlegungen der Untersuchungsorgane in Ost und West einfloss.“ Irgendwelche Indizien für ein Überleben Herbert Langes sind nicht bekannt. Ein Ende in Bernau ist zumindest schlüssig.

Nachdem während der DDR-Zeit kein staatliches Interesse an einer besonderen Gestaltung von dergleichen Grabstätten bestand, wurde im Zuge der Umsetzung des bundesdeutschen Gräbergesetzes (Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft) nach 1993 eine Neugestaltung auch der Anlage auf dem Neuen Friedhof in Bernau umgesetzt, um diese für die Hinterbliebenen und die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Herbert Lange erhielt in diesem Zuge 1996 eine Gedenkplatte, die mit Namen und Sterbedatum an ihn erinnerte.

Im Juli 2026 haben wir auf dem Neuen Friedhof von Bernau nach der Keramikplatte für Herbert Lange, die Andrew Wallis noch in seiner Abhandlung von 2024 mit Foto dokumentiert hatte, Ausschau gehalten. Vergeblich. Wie wir inzwischen erfahren haben, wurde Herbert Langes Platte kürzlich zusammen mit der eines weiteren dort bestatteten Angehörigen der SS beräumt und durch eine Platte mit der Aufschrift „Unbekannt“ ersetzt.

Herbert Langes Tätergeschichte muss man erzählen, aber ihn namentlich unter den „Opfern beider Weltkriege“ zu erwähnen, wäre in der Tat zynisch.

Herbert Lange in Greifswald

In den frühen 1930er Jahren war die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald im historischen Hauptkomplex der Universität am Rubenowplatz und in der Domstraße in der Greifswalder Innenstadt untergebracht, wo die geistes- und rechtswissenschaftlichen Fächer zu dieser Zeit ihren Sitz hatten.

Das barocke Hauptgebäude der Universität Greifswald mit dem Rubenow-Denkmal zu Ehren des Universitätsgründers aus dem Jahr 1856.

Am 16. Mai 1933 wurde die Hochschule offiziell in „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ umbenannt (unterzeichnet u. a. durch Hermann Göring als Ministerpräsidenten des Freistaats Preußen).

Herbert Lange ging 1930 nach Greifswald, um Jura zu studieren und trat bald der Greifswalder Burschenschaft „Rugia“ bei, einer schlagenden studentischen Vereinigung, die 1856 gegründet worden war und seinerzeit ein Verbindungshaus in der Salinenstraße 47 besaß. Das Gebäude aus rotem Backstein am Ryck hat sich erhalten: „Vielleicht war es einer der Fechtkämpfe der Burschenschaft, beim dem Lange die viel gerühmte Duellnarbe im Gesicht erhielt“, schreibt Andrew Wallis auf Seite 89 der oben genannten Quelle.

Heute hat die „Rugia“ ihr Verbindungshaus in der Robert-Blum-Straße 4, direkt neben dem Greifswalder Theater. Wer sich selber ein Bild von der Greifswalder Burschenschaft Rugia machen möchte, dem sei der Wikipedia-Eintrag zur Verbindung sowie deren Homepage empfohlen.

Rugia-Haus

Banner-Rugia

„Langes Zeit an der Universität war kurz. Obwohl er später behauptete, er habe bis März 1934 studiert und trotzdem keine Abschlussprüfungen abgelegt, zeigt das Register, dass Lange die Universität im Sommer 1932 verließ“, merkt Andrew Wallis ebendort an. Mit dieser Behauptung und einer befürwortenden Stellungnahme seiner damaligen vorgesetzten Dienststelle versuchte Lange im Herbst 1941 seine Zulassung zur 1. Juristischen Staatsprüfung zu erreichen. Das Reichsministerium der Justiz beschied Lange mit Schreiben vom 03. Dezember 1941, dass „auch bei größtem Wohlwollen noch ein Nachstudium von mindestens 2 Semestern unter voller Befreiung von seinem Dienst als Kriminalkommissar“ zu verlangen sei. Begründet wurde dies mit dem „weit über 7 Jahre“ zurückliegenden Studium und der Feststellung, dass „schon damals die in den Übungen gezeigten Leistungen nur knapp dem Durchschnitt entsprachen“. Quelle: Akte BArch R 30121/151

Ab Dezember 1941 tötete das „Sonderkommando Lange“ im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) in Polen zehntausende Juden, Sinti und Roma.

Eine juristische Staatsprüfung hat Herbert Lange nicht abgelegt.

Alle Fotos: Peter Hoffmann

Eine Kindheit und Jugend in Stralsund

„Nach drei Jahren in verschiedenen Unterkünften in der Stadt und als 1914 in Europa der Krieg ausbrach, zog Max Lange mit seiner Familie zusammen mit drei anderen Familien in die Mönchstraße 38, die, wie es das Schicksal wollte, heute Teil des Stadtmuseums ist“, schreibt Andrew Wallis auf Seite 88 seiner Abhandlung „Herbert Lange – Stralsunds ‚vergessener‘ Mann mit einem ‚unvergesslichen‘ Leben“ (Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur und Alltag vom September 2024, herausgegeben vom Stadtarchiv Stralsund, der Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen und dem Stralsunder Geschichtsverein e.V. Das Heft ist – solange der Vorrat reicht – in der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung im Museumshaus Mönchstr. 38 erhältlich.).

Andrew Wallis beschreibt die prekären Verhältnisse, die das Leben der Familie Lange prägten, insbesondere das ökonomische Scheitern des Vaters, dem es als Schmied nicht gelang, in der Stadt wirtschaftlich nachhaltig Fuß zu fassen und der bereits 1920 verstarb. Andrew Wallis hierzu ebenda: „Ein Jahr später wurde Max aus seinem Beruf entlassen. Wenige Tage später, am Montag, dem 12. Juli, betrat Erich, Herberts älterer Bruder, abends das elterliche Schlafzimmer, während seine Mutter im Laden arbeitete, und fand seinen Vater tot auf“. Fortan war es an Herbert Langes Mutter Anna, mit Haus und Laden für die Familie aufzukommen.

Mit sechs Jahren besuchte Herbert Lange die Höhere Knabenschule am Frankenwall.

Höhere Knabenschule am Stralsunder Frankenwall, heute Grundschule „Gerhart Hauptmann“. Die Schulerziehung erfolgte seinerzeit unter strenger Geschlechtertrennung.

Seinen Schulweg teilte sich Herbert Lange etwa mit dem gleichaltrigen Max Cohn, dessen Familie in das benachbarte Haus Mönchstr. 37 eingezogen war und dort das Herrenbekleidungsgeschäft Moses übernommen hatte. Ihr täglicher Gang führte die Jungen vorbei an der Stralsunder Synagoge, die in der Langenstraße 69 stand. Sie wurde 1787 als erste Synagoge in Vorpommern eröffnet, 1913 umgebaut und in der Pogromnacht am 10. November 1938 von Nationalsozialisten zerstört. Heute erinnern eine Gedenktafel und Stolpersteine für die Familie Joseph an diesen Ort und seine Geschichte.

Es ist ja keineswegs so, dass die Nationalsozialisten quasi wie „kleine braune Männchen“ aus dem Nichts auftauchten, plötzlich als üble Schurken die Macht an sich rissen (und dann mit Kriegsende ebenso plötzlich allesamt wieder verschwunden waren). Auch dies zeigt die Tätergeschichte Herbert Langes: Er kam aus einem Elternhaus mitten in Stralsund. Großväter so mancher Stralsunder sind mit Herbert Lange zur Schule oder in den Konfirmandenunterricht gegangen. Herbert Lange wurde zum Massenmörder, andere wurden zu Mitläufern, sein Klassenkamerad Wolfgang Heinze wurde 1945 als Angehöriger des antifaschistischen Widerstands hingerichtet. Langes Nachbarn, die Familien Cohn (nebenan) und Gerson (gegenüber), kamen im Holocaust um.

Demokratische Republik oder faschistischer Staat, so lautete spätestens seit 1930 die Alternative. Der Ausgang der Entscheidung und der weitere Verlauf sind bekannt. 

Gewiss gab es die „nationalsozialistische Volksgemeinschaft“, die die Untaten der Nazis ebenso durch Mitwirken wie durch Wegsehen überhaupt erst ermöglicht hat.

Nur sollte man es sich nicht mit dem Hochmut der Nachgeborenen zu einfach machen und sich von bequemer Warte kopfschüttelnd auf ein allgemeines, wohlfeil-entlastendes „Wie konnten sie nur?“ zurückziehen. 

Die Versprechungen der Nazis fielen auf fruchtbaren Boden. Viele sahen darin ihre Chance für einen sozialen Aufstieg und verdrängten etwaige Bedenken. Sie hätten wissen können, aber so schlimm würde es schon nicht kommen. Die Frage ist, was wir heute wissen könnten, was wir verdrängen, weil es so schlimm schon nicht kommen wird … Wir stecken wie unsere Vorfahren mitten im historischen Geschehen, das eben nicht mit dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands zu einem glücklichen Ende gekommen ist. Geschichte wiederholt sich nicht 1:1, aber es kommt darauf an, sich zu erinnern, um rechtzeitig womöglich fatalen Entwicklungen zu begegnen, solange es noch geht. Wir sind heute anderen, mitunter neuen Gefährdungen ausgesetzt., die wir in ihrem vollen Umfang und ihren schließlichen Konsequenzen ebensowenig durchschauen wie das Gros der Menschen damals. Man braucht sich nur vorzustellen, was etwa die Nationalsozialisten mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und der daraus resultierenden Kontrolle jedes einzelnen gemacht hätten. Haben wir uns hier bereits mitschuldig gemacht, weil wir uns nicht rechtzeitig dagegen gewehrt und fortschrittsgläubig mitgemacht haben? Und was sind die Konsequenzen unserer Wahlentscheidungen? Wird man über uns späterhin auch urteilen „Wie konnten sie nur?“

Herbert Lange, Max Cohn und Wolfgang Heinze besuchten nach der Knabenschule am Frankenwall die Oberrealschule in der Bleistraße.

Ehemalige Oberrealschule in der Bleistraße 4. Nach dem 2. Weltkrieg war sie bis 2005 Berufsschule und beherbergt nach umfassender Sanierung heute Arztpraxen und Wohnungen.

Herbert Lange war ein allenfalls durchschnittlich begabter Schüler. Er musste 1925 die Untersekunda wiederholen. Unser Dank gilt Dr. Andreas Neumerkel vom Stadtarchiv der Hansestadt Stralsund, der folgende Einträge für ihn in den Schülerlisten der Oberrealschule ermitteln konnte:

Schuljahr 1924: Untersekunda

Schuljahr 1925: Untersekunda

Schuljahr 1926: Obersekunda

Schuljahr 1927: Unterprima

Im Schuljahr 1928 taucht er in den Schülerlisten gar nicht auf.

Schuljahr 1929: Oberprima

Dem Oberschulregister 1930 ist für seinen letzten Schultag, den 16. März 1930, zu entnehmen, dass der nunmehr 20-Jährige eine Zukunft als Diplomkaufmann anstrebe.

Literaturtipp:

Rolf Winter, Hitler kam aus der Dankwartsgrube (Und kommt vielleicht mal wieder) – Eine Kindheit in Deutschland, erschienen bei Rasch und Röhring, Hamburg, 1991, 176 Seiten.

Rolf Winter beschreibt anhand seiner Familiengeschichte, wie Menschen aus ihrer Armut heraus Anhänger des Nationalsozialismus wurden, wie das „Proletariat“, der „Plebs“ 1933 in blindem Hass auf das versagende demokratische „System“ zu den Nationalsozialisten überlief.
Der Autor zeigt eine Jugend im Hinterhof, wo nicht sicher war, ob das Essen reichte und wie die Versprechungen des Verführers Hitler dort auf fruchtbaren Boden fielen. Das Haus steht noch heute in der Dankwartsgrube, einer Straße in der Lübecker Altstadt.

Leider ist dieses Buch vergriffen und derzeit nur über Bibliotheken oder antiquarisch erhältlich.

Alle Fotos: Peter Hoffmann

DU SOLLST NICHT MORDEN!

„Wie man mit dem Wissen um die Täter umgehen soll, ist eine Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Letztlich ergibt sich eine solche aus den Motiven und den Zielen der Auseinandersetzung mit ihnen. Es ist ein Feld, das sich dynamisch entwickelt und in dem es nur wenige Grundsätze gibt, die von den Institutionen, die sich mit Tätern beschäftigen, geteilt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Erkenntnis, dass es keine spezifischen Merkmale gibt, die jemanden zum Massenmörder machen und dass man Täter nicht mystifiziert.

Schlagworte, die mehr vernebeln als erhellen und die immer noch oft genannt werden, sind u.a. ‚Das Böse‘, ‚unerklärlich‘ und ähnliches. Übereinkunft besteht auch darin, dass man nicht vermitteln soll, die Motive von Tätern abschließend klären zu können. Ein weiteres Element ist auch, Täter immer in Beziehung zu Opfern zu setzen. …

Täter kamen meistens aus der Mitte der Gesellschaft. Es gab sicher auch Menschen, denen man mit (schwierigen) Begriffen wie ‚Psychopath‘ oder ‚Mordlust‘ beikommen kann; in den meisten Fällen konnten sich aber die Täter (und Täterinnen!) im Jahr 1938 selbst nicht vorstellen, wozu sie ein Jahr oder zwei später imstande waren. Täterschaft kann man also nicht ohne ihr gesellschaftliches Umfeld – und das war die nationalsozialistische Volksgemeinschaft – verstehen.“

Dies schrieb uns der Historiker Robert Parzer vom Gedenkort T4 (Tiergartenstraße 4) in Berlin in einer Mail vom 29. September 2024. Gewiss bildete die nationalsozialistische Volksgemeinschaft das „Rückgrat“ (Robert Parzer) dafür, dass zum Beispiel psychisch Kranke von einem Täter wie Herbert Lange ermordet werden konnten. Jedoch entlastet das Vorhandensein eines solchen Umfeldes nicht die einzelnen Täter von ihrer individuellen Verantwortung für ihre Taten, für die sie ihre Wahl getroffen haben. Gerade die jüngste Zeit hat wieder gezeigt, welche Bedeutung einzelne Menschen für den Verlauf der Geschichte und das Schicksal unzähliger anderer haben können.

Das heutige Museumshaus Mönchstr. 38, das Elternhaus Herbert Langes, in dem er bis in 1930er Jahre hinein fast zwei Drittel seines Lebens verbracht hat und in dem seine Persönlichkeit maßgeblich geprägt wurde, ist als solches bereits eine beredte und bestens dokumentierte Quelle, sich dem Menschen Herbert Lange anzunähern. Es bedarf nicht übergroßer Anstrengung, sich hier an Ort und Stelle in die Zeit vor einhundert Jahren zurückzuversetzen. Ergänzt mit weiteren Erkenntnissen bietet das Museumhaus Mönchstr. 38 hier eine einmalige Gelegenheit, Geschichte anschaulich und vielleicht ein Stück begreifbar zu machen.

Herbert Lange wurde am 29. September 1909 in Menzlin bei Anklam geboren und am 07. November desselben Jahres evangelisch-lutherisch getauft.

Von seinem Elternhaus in der Mönchstraße 38 sind es keine zweihundert Schritte bis zur Stralsunder Marienkirche, der größten Pfarrkirche der Hansestadt.

Dort wurde Herbert Lange am 05. April 1925 auch konfirmiert. Der Konfirmation vorangegangen waren zwei Jahre Konfirmanden-Unterricht und Pflichtbesuche der sonn- und feiertäglichen Gottesdienste, die ihm die Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelten. Sein Konfirmator, Pastor Richard Thurow, gab Herbert Lange am Palmsonntag 1925 folgenden Konfirmationsspruch mit auf den Lebensweg:

„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.“

1. Brief des Timotheus, Kapitel 6, Vers 12

(Wir danken an dieser Stelle Herrn Pastor Stefan Fricke von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Marien in Stralsund, dessen Kirchenbuchrecherche auf unsere Anfrage hin den Konfirmationseintrag von Herbert Lange zutage gefördert hat.)

Die Wahl des Konfirmationsspruches dürfte mit Bedacht erfolgt sein. Nur hat die Mahnung des Paulus an Timotheus, „den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen“, bei Herbert Lange nicht gefruchtet. Er hat sich schließlich gegen diesen „guten Kampf“ entschieden, mithin insbesondere Gottes 5. Gebot: „DU SOLLST NICHT MORDEN!“ von sich gewiesen.

Pastor Thurow von der Kirchengemeinde St. Marien war im Nebenamt mit der Seelsorge und dem weiteren kirchlichen Dienst an der 1912 eröffneten 4. Pommerschen Heil- und Pflegeanstalt (heute: Krankenhaus-West – Helios Hanseklinikum Stralsund) beauftragt und damit vertraut mit den Patienten, die später Opfer Herbert Langes werden sollten. Richard Thurow verstarb 1930 im Alter von 59 Jahren.

Mitte der dreißiger Jahre gibt Herbert Lange im „Fragebogen zur Erlangung der Heiratsgenehmigung“ (siehe „Herbert Lange Dokumente“, veröffentlicht am 09. Juli 2026) als Konfession noch evangelisch an. In seiner SS-Führerpersonalakte (Akte BArch R 9361-III/539372) heißt es dann später: „ggl. – gottgläubig“.

Die Bezeichnung „gottgläubig“ hatte in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund eines Erlasses des Reichsinnenministers Wilhelm Frick vom 26. November 1936 bei aus den Kirchen ausgetretenen Personen auf den Melde- und Personalbögen der Einwohnermeldeämter sowie in Personalpapieren unter der Rubrik „Religionszugehörigkeit“ die Worte „Dissident“ oder „konfessionslos“ zu ersetzen. Als „gottgläubig“ galt, wer sich von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt hatte, jedoch nicht „glaubenslos“ war. Die Einführung des Begriffs „gottgläubig“ kann man als Versuch betrachten, eine religiöse Identifikationsformel für Nationalsozialisten jenseits der Kirchen und anderer Glaubensgemeinschaften zu schaffen. Das Wort bezeugte einen Kirchenaustritt und galt damit zum Beispiel im Hinblick auf staatliche Dienstverhältnisse als Ausweis besonderer ideologischer Nähe zum Nationalsozialismus. In der Schutzstaffel (SS) wurde die christliche Kirchenzugehörigkeit ab den 1930er-Jahren aktiv bekämpft. Reichsführer SS Heinrich Himmler forderte SS-Angehörige auf, aus der Kirche auszutreten.

Stand der Begriff „gottgläubig“ bis in die 1930er Jahre auch für unverfängliche religiöse Vorstellungen, also für Monismus, Pantheismus oder christlichen Unitarismus (die Ablehnung der Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist), wies er im völkisch-deutschnationalen Spektrum nun die teils radikale Abkehr von den christlichen Konfessionen aus, die unter anderem aufgrund ihrer „orientalischen“, ihrer jüdischen Wurzeln nicht zum religiös überhöhten „Deutschtum“ passten.

Papst Pius XI. kritisierte in seiner Enzyklika „Mit brennender Sorge“ aus dem Jahr 1937 den Begriff „gottgläubig“ als „pantheistisch verschwommen“ und wendet sich in diesem Kontext ebenfalls gegen die nationalsozialistische Rassenlehre: „Dieser Gott hat in souveräner Fassung Seine Gebote gegeben. Sie gelten unabhängig von Zeit und Raum, von Land und Rasse. So wie Gottes Sonne über allem leuchtet, was Menschenantlitz trägt, so kennt auch Sein Gesetz keine Vorrechte und Ausnahmen. Regierende und Regierte, Gekrönte und Ungekrönte, Hoch und Niedrig, Reich und Arm stehen gleichermaßen unter Seinem Wort.“

Als „gottgläubig“ galten 1939 rund 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. In der NSDAP war diese Gruppe deutlich stärker repräsentiert: Im Gau Berlin waren 27 Prozent, in Aachen gut 22 Prozent der NSDAP-Mitglieder „gottgläubig“. Bei der Waffen-SS wurden etwa 30 Prozent als „gottgläubig“ geführt, auf Führungsebene war der Anteil weitaus höher.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass weder sein – zumindest formell christliches – Elternhaus noch die Institution der evangelisch-lutherischen Kirche in der Kirchenprovinz Pommern Herbert Lange die moralische Festigkeit und die christlichen Werte vermitteln konnten, die ihn womöglich davon abgehalten hätten, zum Massenmörder zu werden.

Foto: Peter Hoffmann

Herbert Lange in Stettin (Szczecin)

Ab 1934 war Herbert Lange bei der Gestapo Stettin (Szczecin) tätig, bevor er im Jahr darauf zur Gestapo Aachen wechselte. Diese erste Station seiner Polizei-Karriere führte ihn mit Mitte zwanzig aus Stralsund in die Hauptstadt der Provinz Pommern, in eine prosperierende Hafen- und Großstadt mit seinerzeit  rund 270.000 Einwohnern. Im während des 2. Weltkrieges weitgehend zerstörten Stadtzentrum hat sich das Gebäude Augustastraße 47 (heute: ulica Malopolska 47), in dem sich der Sitz der Gestapo Stettin befand, erhalten. Hierzu gibt es eine mehrsprachige Informationstafel vor dem Haus. Der neugotische Komplex wurde in den Jahren 1902-1905 für das Königliche Polizeipräsidium der preußischen Provinz errichtet. Das Gebäude ist bis heute Sitz der Polizei und spielte während des Aufstandes von 1970 eine zentrale Rolle. Unmittelbar neben dem Polizeigebäude befindet sich seit 2014 der Neubau der Stettiner Philharmonie, der als neues Wahrzeichen der Stadt gilt.

Foto: Peter Hoffmann

 

International bekannt …

… ist der Name Herbert Lange einem breiteren Publikum spätestens mit dem Erscheinen des Buches „The Traitors Circle: The Rebels Against the Nazis and the Spy Who Betrayed Them“ („Der Kreis der Verräter: die Rebellen gegen die Nazis und der Spion, der sie verriet“) des britischen Bestseller-Autors Jonathan Freedland; erschienen 2025 in Großbritannien im Verlag John Murray/Hodder & Stoughton/Hachette UK.

Jonathan Freedland erzählt in seinem Werk die akribisch recherchierte Geschichte des „Solf-Kreises“, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, die durch einen eingeschleusten Spitzel verraten wurde. Hierzu haben wir bereits anlässlich unseres Besuches in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück im Frühjahr 2026 berichtet. Die meisten Mitglieder des Kreises wurden verhaftet und hingerichtet. Nur wenige Angehörige des Solf-Kreises überlebten das Dritte Reich. Maßgeblich beteiligt an der Verfolgung der Widerstandsgruppe: Kriminalrat Herbert Lange.

Herbert Lange als Gestapo-Gegenspieler der Widerständler wird in diesem Buch auch biographisch behandelt: Zu seinem Aufwachsen in der Stralsunder Mönchstraße heißt es bei Freedland:

„The Langes lived on a lively street, where Jews and non-Jews mixed easily – the Cohns lived next door and the Gersons were opposite – and the family scraped together enough money to send young Leo to the prestigious Oberrealschule. But life never stopped being hard.”

„Die Langes wohnten in einer belebten Straße, in der Juden und Nichtjuden ungezwungen miteinander umgingen – die Cohns wohnten nebenan und die Gersons gegenüber –, und die Familie kratzte geradeso genug Geld zusammen, um den jungen Leo auf die angesehene Oberrealschule zu schicken. Doch das Leben blieb weiterhin hart.“

Herbert Lange – seine Freunde nannten ihn „Leo“ – strebte danach, den kleinbürgerlich-ärmlichen Verhältnissen seiner Herkunft zu entkommen. Mit gerade einmal 22 Jahren trat er 1932 der NSDAP bei, ein Jahr später war er Mitglied der SS. Freedland schreibt hierzu:

„He was on the inside and the only way was up.”

„Er war drinnen und der einzige Weg war nach oben.“

Nicht nur insofern ist das uralte heutige Museumshaus Mönchstr. 38, das sich durch die Jahrhunderte geschleppt hatte mit all seinen Umbauten und Improvisationen, dem morschen Gebälk, den schiefen Treppen, seinen dunklen Kämmerchen, den engen Stuben, Winkeln und Abseiten, eine beredte Quelle: Sein Weg führte Herbert Lange weg von dem Elternhaus mit der Schwarzküche und den Wrasen an deren Decke zu einem nach ihm benannten SS-Sonderkommando mit eigenem Stab, mit eigenem Mercedes und Chauffeur und all den anderen damit verbundenen Privilegien und modernen Annehmlichkeiten für ihn und seine eigene junge Familie, die auch schließlich mit seiner Tätigkeit im Reichssicherheitshauptamt in Berlin verbunden waren.

„An engrossing narrative … a spellbinding account.”

„Eine fesselnde Erzählung … ein packender Bericht.“

Wall Street Journal

“Thrilling … an inquiry into how, in the direst circumstances, some people find the immense courage to do what is right.”

„Spannend … eine Untersuchung darüber, wie manche Menschen unter den schlimmsten Umständen den immensen Mut aufbringen, das Richtige zu tun.“

The Economist, Books of the Year

„The Traitors Circle“ von Jonathan Freedland ist in der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung erhältlich.

ENGINEERED FOR MASS MURDER – THE NAZI GAS VANS: 1939 – 1945

lautet der Titel einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte der Nazi-Gaswagen, die Cameron Munro von der Berliner Tiergarten 4 Association e.V. 2025 veröffentlicht hat. Die 274 Seiten umfassende Darstellung beruht auf seiner langjährigen Forschung zum Thema und bezieht erstmals fünfzehn Original-Photographien dieser Wagen mit ein. Neben den persönlichen Verantwortlichkeiten (Herbert Langes Beitrag zu diesem Zivilisationsbruch eingeschlossen) sind es vor allem die detailreich wissenschaftlich belegten technischen Aspekte der Gaswagen, die hier umfassend dokumentiert werden.

Uwe Neumärker, Direktor des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin: „Das Buch von Cameron Munro ist ein Meilenstein in der Erforschung des Holocaust. Seine Untersuchung – das Ergebnis unermüdlicher Recherchen – befasst sich mit einem (fast) unbekannten Kapitel dieses Verbrechens gegen die Menschheit und schließt eine entscheidende Wissenslücke.“

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees: „Cameron Munros beeindruckende Recherchen lenken unsere Aufmerksamkeit auf den Technikfanatismus und die kalte Entschlossenheit, mit der die SS-Mörder die Massenvernichtung der jüdischen Familien Europas planten und durchführten: ein schockierendes Dokument, das einmal mehr zeigt, wie skrupellos und ohne moralische Hemmungen Menschen ans Werk gehen können, die Vernichtungsszenarien gegen andere Menschen entwickeln und technisch ermöglichen.“ 

Auf YOUTUBE finden sich ausführliche Beiträge Cameron Munros zum Thema. Hier der link zu seinem Video zur Publikation: https://www.youtube.com/watch?v=WQBJ8U_Fo-c

Erhältlich ist das Buch über die

Tiergarten 4 Association e.V.
Wiesenstrasse 16
13357 Berlin (Mitte)

+49 (0)30 – 364 279 94

info@tiergartenstrasse4.org

Herbert Lange Dokumente

Mitgliederkarteikarte von Herbert Lange aus der NSDAP-Gaukartei, Vorderseite (BArch R 9361-XI KARTEI/24730692)

Handschriftlicher Lebenslauf von Herbert Lange (Akte BArch R 9361-III/235305)

Handschriftlicher Lebenslauf von Herbert Lange Seite 2 (Akte BArch R 9361-III/235305)

Wir bedanken uns beim Bundesarchiv in Berlin für die freundliche Unterstützung unseres Vorhabens im Rahmen der Aufarbeitung der NS-Zeit: NSDAP-Mitgliederkarteikarte und Lebenslauf Langes belegen den Bezug zum Museumshaus Mönchstraße 38. Nach dem Parteieintritt am 01. Mai 1932 erfolgten in Stralsund im August 1932 der Beitritt Langes zur SA und im März 1933 sein Übertritt zur SS.

Gedenkfahrt

Am 29. April hatten wir Frau Dorata Makrutzki, Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg am Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, mit einer polnisch-deutschen Gruppe auf ihrer Gedenkfahrt nach Stralsund zu Gast im Lädchen. Zu den Besuchern, die sich bei uns über das Leben und Aufwachsen des NS-Kriegsverbrechers Herbert Lange im heutigen Museumshaus Mönchstr. 38 sowie den Umgang mit dieser exponierten Tätergeschichte in der Hansestadt Stralsund informierten, zählten u.a. die polnische Historikerin Katarzyna Sztuba-Frackowiak, die die Geschichte der Anstalt Meseritz-Obrawalde erforscht, und Dr. Kathleen Haack, Autorin des Buches „Vom Anstaltsboom zum NS-Krankenmord“.

Foto: Katrin Hoffmann

Herbert Lange in Ravensbrück

Die brandenburgische Kleinstadt Fürstenberg an der Havel liegt gute 150 Straßenkilometer südlich von Stralsund und ist von hier in anderthalb Stunden Fahrt zu erreichen. Vom Zentrum Berlins aus sind es über die B96 etwa 90 Kilometer.

Mit der Berliner Nordbahn benötigt man von Stralsund etwa zwei Stunden, von Berlin aus die Hälfte. Ab dem Bahnhof Fürstenberg führt ein etwa 25-minütiger Fußweg zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

In Ravensbrück errichtete die SS ab 1939 das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Gebiet. Über 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche aus über 30 Nationen wurden bis 1945 als Häftlinge registriert. Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager, in dem rund 2.000 kranke Häftlinge zurückgelassen worden waren. Man geht davon aus, dass im Konzentrationslager Ravensbrück 28.000 Häftlinge ermordet wurden.

Herbert Lange kam Mitte 1942 nach seinem Einsatz in Posen zum Amt IV (Geheime Staatspolizei) des Reichssicherheitshauptamtes nach Berlin. 1943 wurde er dort stellvertretender Referatsleiter des Referates IV E 3 (Abwehr West – Schweiz, Frankreich, Belgien). Mit Hilfe eines eingeschleusten Spitzels gelang der Sonderkommission Lange die Enttarnung des sog. „Solf-Kreises“, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, die von Regimekritikern der teils liberalen, teils konservativen deutschen Eliten getragen wurde. Anfang 1944 genehmigte Himmler eine von Lange vorgeschlagene groß angelegte Verhaftungsaktion. Die meisten Mitglieder der Gruppe wurden verhaftet und hingerichtet. Nur wenige Angehörige des Solf-Kreises haben überlebt. Im Laufe des Jahres verlegte die Sonderkommission Lange aufgrund der Kriegseinwirkungen ihren Sitz in die Sicherheitspolizeischule Drögen bei Fürstenberg an der Havel. Ihre Gefangenen wurden im „Zellenbau“ des nahe gelegenen KZ Ravensbrück, aber auch in der Sicherheitspolizeischule selbst untergebracht und verhört. Bereits vor den Verhaftungen im Zuge des gescheiterten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 wurden die Häftlinge in Drögen bzw. Ravensbrück „verschärft vernommen“, also geschlagen und gefoltert. Detaillierte Auskunft zu diesen Vorgängen bietet das Buch „Fürstenberg-Drögen – Schichten eines verlassenen Ortes“ von Florian von Buttlar, Stefanie Endlich und Annette Leo, erschienen in der Edition Heinrich, Berlin, 1994.

Der in diesem Kontext von Himmler in einer Rede persönlich belobigte und inzwischen zum SS-Sturmbannführer beförderte Lange hatte seine Frau und seine Töchter an diesen Ort des Verbrechens vor den Luftangriffen auf Berlin in Sicherheit gebracht. Christabel Bielenberg, die im Winter 1944/45 auf dem Weg zu ihrem in Ravensbrück inhaftierten Mann war, begegnete Langes Familie im Eisenbahnabteil auf dem Weg dorthin. Die Augen der beiden Töchter erinnerten sie an den Vater, dem sie kurze Zeit später in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße begegnete:

„Nun konnte ich ihn erkennen. Es war nicht mehr nur eine körperlose Fistelstimme, sondern ein kleiner, untersetzter, noch jüngerer Mann mit einem birnenförmigen Kopf. Er hatte dunkles, schütteres Haar über einer hohen schmalen Stirn, rundliche Backen und einen kleinen Mund mit wulstigen Lippen. Er war gewiss keine Schönheit, aber es war der Ausdruck seiner Augen, der ihn so grauenerregend machte. Sie lagen nahe beieinander, waren sehr klein, sehr blau, sehr kalt und starrten mich intensiv und wachsam an.“

Zitiert aus: Christabel Bielenberg, Als ich eine Deutsche war, 1934 -1945, Eine Engländerin erzählt, C.H. Beck, München, 1969.

Wohl keiner der Täter aus Fürstenberg-Drögen ist nach 1945 wegen seiner Taten dort bestraft worden. Die meisten ihrer Opfer, die dort verhört und gefoltert worden waren, starben unter dem Fallbeil oder durch den Strang der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee oder wurden noch in den letzten Kriegstagen ermordet. „Die Täter, die nicht bestraft wurden – auch dies ist ein Teil der Geschichte des vergessenen Ortes in Drögen“, heißt es in dem o.g. Buch über die Sicherheitspolizeischule Fürstenberg-Drögen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges diente das etwa 50 ha große Gelände bis 1990 als Kaserne der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Von den Gebäuden steht heute nichts mehr. Lediglich ein verblasstes sowjetisches Ehrenmal kündet nahe der B96 noch von diesem Ort und seiner Geschichte.

Foto: Peter Hoffmann

Foto: Peter Hoffmann

Wege gegen das Vergessen 1933-1945: Herbert Lange in Aachen

Einige letzte freie Tage in diesem Jahr nutzten die STRANDLÄUFER, um sich am Rhein umzuschauen. Was uns bei unserem Besuch Ende Oktober in Aachen am meisten beeindruckt hat, ist das Projekt „Wege gegen das Vergessen 1933-1945“: Dieses Projekt zur Erinnerung an die Gräuel der Nationalsozialisten in Aachen wurde 1994 von einzelnen Bürgern, Parteien und anderen Gruppen initiiert und im Oktober 1996 mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen im Stadtrat beschlossen. Die Konzeption wurde der Volkshochschule Aachen übertragen und die Umsetzung seit 2004 von der Stadt Aachen finanziell gefördert. Seit 2008 ist das Projekt als Kompetenzzentrum für politische Erinnerungsarbeit in der Region sowohl in Fragen des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt als auch mit dem aktuellen Rechtsextremismus überregional anerkannt.

Grundidee der Initiative ist es, dass es aufgrund der immer weniger werdenden Zeitzeugen der NS-Zeit eines Bildungsangebotes für Schulklassen im Besonderen und für die Bevölkerung im Allgemeinen sowie für interessierte Touristen bedarf. Es soll an Menschen erinnern, die durch die Nazidiktatur verfolgt oder aus politischen, rassistischen, weltanschaulichen, religiösen und anderen Gründen ermordet wurden. Durch die Recherchen der Volkshochschule Aachen konnten mittlerweile mehr als 40 authentische Gedenkorte gefunden werden, die für die Anbringung einer entsprechenden Gedenktafel in Frage kommen. Weitere Recherchen werden fortlaufend unternommen und neue Plätze für Gedenktafeln erkundet.

Der Künstler Klaus Endrikat von der FH Aachen hat die zumeist hochformatigen,rechteckigen Bronzetafeln gestaltet. Seitens der VHS oder des Touristikbüros der Stadt Aachen werden dazu Stadtführungen, Workshops und vieles mehr angeboten, darunter ausführliche Informationen über die erinnerungswürdigen Orte auf der Website der VHS.

Ab 1934 war Herbert Lange bei der Gestapo Stettin tätig und wechselte im Jahr darauf zur Gestapo Aachen. Von der Staatspolizeistelle Aachen, die sich im Regierungsgebäude am Theaterplatz befand, wurde er 1939 zur Einsatzgruppe VI in Polen abkommandiert. Heute beherbergt das Gebäude Einrichtungen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und ist entsprechend zugänglich. Foto: Peter Hoffmann

 

Weiter auf den Spuren von Herbert Lange – Herbstfahrt nach Chelmno und Lodz

Das Thema Herbert Lange lässt uns weiterhin keine Ruhe. Von manchen Dingen muss man sich vor Ort selber ein Bild machen, um eine Vorstellung vom tatsächlichen Geschehen zu bekommen.

Von Posen aus erreicht man nach 150 Kilometern in anderthalb Stunden Fahrt über die Autobahn 2 die kleine Ortschaft Chelmno nad Nerem (Kulmhof am Ner). In der Ortsmitte befindet sich direkt an der Durchgangsstraße ein Parkplatz. Von hier fällt der Blick bereits linker Hand auf die Pfarrkirche des Dorfes auf dem Hochufer des Ner: Diesen Blick kennt man etwa aus Claude Lanzmanns Film-Dokumentation „Shoah“. Rechter Hand geht es auf das Gelände des ehemaligen Herrenhauses, das am 07. April 1943 von den deutschen Besatzern zerstört wurde.

Durch den Keller des ehemaligen Herrenhauses wurden von Dezember 1941 bis März 1943 die ahnungslosen Opfer in die am Ende des Ganges bereitstehenden Gaswagen getrieben. Heute blicken die Besucher von einem begehbaren, niedrigen Gerüst aus direkt auf diesen „Korridor des Todes“, an dessen Ende unweigerlich der Erstickungstod im Gaswagen wartete. Man befindet sich unmittelbar an der Stelle, an der in der Geschichte der Menschheit erstmals ein industrialisierter Massenmord initiert wurde.

Einige Schritte weiter hat sich der Speicher des Gutes erhalten. Gegenüber befindet sich ein Museumsgebäude mit einer Ausstellung und einer Bibliothek zum Lager Chelmno.

Ab September 1941 führten Mitglieder des „SS-Sonderkommando Lange“, benannt nach dem SS-Hauptsturmführer Herbert Lange von der Gestapoleitstelle Posen, auch im Warthegau Massenerschießungen an Juden durch. Ab Dezember 1941 leitete Herbert Lange als erster Kommandant dieses erste Vernichtungslager und war hier für die Ermordung Zehntausender Juden, Roma und Sinti verantwortlich. Er wurde im März 1942 durch den zweiten Kommandanten des Lagers Chelmno, Hans Bothmann (1911 – 1946), abgelöst, den er anschließend noch fünf Wochen einarbeitete. In der Dauerausstellung wird Herbert Lange auch hier seiner Verantwortung als maßgeblicher Täter entsprechend dargestellt.

Räumlich wesentlich ausgedehnter ist die Gedenkstätte knapp 5 Kilometer in Richtung des Städtchens Koło, an dem Ort, wo die toten Opfer verscharrt und später verbrannt wurden. Man erreicht das sogenannte „Waldlager“ auf dem Weg, den seinerzeit auch die Gaswagen genommen haben. Für die Zeit der Tätigkeit Herbert Langes in Chelmno geht man von annähernd 70.000 Toten aus.

Der Bahnhof in Koło, über den ein Gutteil der Opfer ins Vernichtungslager gelangte, ist baulich unverändert. Ein Besuch dort vermittelt einen weiteren Eindruck der Abläufe und Entfernungen.

Gut 80 Kilometer weiter südöstlich gelangt man über die A2 nach Lodz, die heute mit 652.000 Einwohnern viertgrößte Stadt Polens. Lodz war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein kleines, unbedeutendes Dorf mit weniger als 500 Ortsansässigen. Nur ein Jahrhundert später war es eine pulsierende Metropole mit über 600.000 Einwohnern. Außer in Warschau lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in keiner anderen europäischen Stadt so viele Juden wie in Lodz, dem „Manchester des Ostens“. Die 223.000 Juden stellten ein Drittel der Bevölkerung der Textilstadt. In den Jahren 1939 bis 1944 gab es hier das „Ghetto Litzmannstadt“. Es war das am längsten existierende nationalsozialistische Ghetto und nach der Zahl der Gefangenen nach dem Warschauer Ghetto das zweitgrößte in Polen. Während sich vom Ghetto Warschau nach den Kriegsereignissen lediglich einige Fragmente (etwa an der Ulica Prozna gegenüber den Sächsischen Gärten) erhalten haben und das Gebiet heute modern überbaut ist, haben sich in Lodz etliche Gebäude sowie die grundlegenden Strukturen erhalten, so dass man einen umfassenden Eindruck von den stadträumlichen Gegebenheiten bekommt. Wobei es beklemmend ist, sich 1:1 an den Orten zu wissen, die man von den zahlreich überlieferten photographischen Aufnahmen aus der Ghetto-Zeit kennt.

Auf das Gebäude Kirchplatz 4, in dem sich Büros der Ghettoverwaltung befanden, ging der Blick von einer der Ghetto-Brücken aus. Hier wurde u.a. die Ghetto-Chronik zusammengestellt.

Überdauert hat als Bestandteil des Ghettos der 1892 angelegte Neue Jüdische Friedhof. Heute ist er von der Zahl der Grabstätten her der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas. Neben prachtvollen Mausoleen von Industriellenfamilien wie den Poznanskis oder Silbersteins und vielen künstlerisch aufwendig gestalteten Gräbern im älteren Teil der Nekropole gibt es ein anonymes Gräberfeld, auf dem mehr als 40.000 Opfer des Ghettos Litzmannstadt bestattet sind. Auf dem alten Teil des Friedhofes befindet sich das Grab des Dawid Sierakowiak (1924-1943), der mit seinen Aufzeichnungen aus den Jahren 1941/42 ein bewegendes Zeitdokument hinterlassen hat. Bewahrt hat sich auch die jüdische Trauerhalle, in der eine Ausstellung mit Photographien aus dem Ghetto zu sehen ist.

Vom Bahnhof Radegast gingen ab Januar 1942 die Züge in die Vernichtungslager, nach Chelmno und später nach Auschwitz. Vor dem originalen hölzernen Bahnhofsgebäude, in dem sich heute ein kleines Museum befindet, steht ein Zug aus der Zeit. Eine eindrucksvolle moderne Gedenkstätte ergänzt den Ort.

Fotos: Peter Hoffmann

Die Elenden von Lódz

„Die Elenden von Lódz“ titelt ein Roman des schwedischen Autors Steve Sem-Sandberg über das jüdische Ghetto in Lódz (Litzmannstadt), der im Jahr 2011 bei Klett-Cotta auf Deutsch erschien. In diesem einzigartigen vielstimmigen Roman, der das Leben zahlreicher Ghettobewohner porträtiert und ihnen so einen Namen und ein Schicksal gibt, stellt Sem-Sandberg die Frage nach den Mechanismen der Unterdrückung, dem Moment, in dem die Anpassung unerträglich wird.

Das Ghetto Litzmannstadt und das Schicksal seiner Bewohner ist eng verbunden mit dem ersten Vernichtungslager in Chelmno (Kulmhof), dessen erster Kommandant Herbert Lange war. Herbert Lange gilt als eine der Schlüsselfiguren des Holocaust. Chelmno als Standort der ersten Vergasungsanlagen wurde im Gedächtnis der Menschheit zum Synonym für Unmenschlichkeit und Zivilisationsbruch. Herbert Lange wuchs in der Mönchstr. 38 in Stralsund auf, dem heutigen Museumshaus, in dem wir seit 2014 die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung betreiben. Genau dort, wo vormals Langes Mutter ihr Ladengeschäft betrieb. Seit Bekanntwerden dieser direkten persönlichen Verbindung im vergangenen Jahr haben wir uns eingehend damit befasst, wie wir mit dieser Tatsache umgehen sollen. Nach umfassenden Recherchen und dem Austausch mit Fachleuten namhaften Erinnerungsstätten sind wir zu der Erkenntnis gelangt, für einen möglichst aktiven und transparenten Umgang mit der Tätergeschichte Herbert Langes einzutreten.

Um so willkommener war da die Einladung des Kunst- und Kulturvereins „Alte Kalkbrennerei“ für eine Veranstaltung am Tag des offenen Denkmals am 14. September 2025, der wir gerne gefolgt sind. Der Kalkbrennerei-Verein hat EIGENTUM als Jahresthema erwählt und nähert sich aus verschiedenen Richtungen und mit unterschiedlichen Formaten diesem Gegenstand.

Das Thema EIGENTUM ist in den Wechselfällen der Geschichte der einstigen multikulturellen Industriestadt Lódz immer wieder zentrales Thema. Die Nationalsozialisten organisierten einen beispiellosen Raubzug mit dem Ziel der skrupellosen Aneignung jüdischen Eigentums, in dem auch schließlich das Vernichtungslager Chelmno seine Funktion hatte. Peter Hoffmann stellt den Roman von Steve Sem-Sandberg vor und berichtet über seine bisherigen Recherchen zum Themenkreis.

Lesungsort: Villa Kalkbrennerei, Franzenshöhe 2, 18439 Stralsund

Lesungsbeginn: 12 Uhr (Lesungsdauer: ca. 1 Stunde)

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals finden (mit Ausnahme des Lesungstermins) von 10 bis 18 Uhr stündlich Führungen rund um die Villa Kalkbrennerei statt: eine Gelegenheit, diesen besonderen Ort näher kennenzulernen.

Fort VII in Poznań

Der Eingang in die KZ-Gedenkstätte Fort VII in Poznań. Ein ebenso eindrucks- wie würdevoller Ort.

Seit bekannt wurde, dass der Massenmörder Herbert Lange in der Mönchstr. 38, wo sich heute unsere Buchhandlung befindet, aufgewachsen ist, lässt uns das Thema nicht mehr los. Deshalb unternahmen wir im August eine Exkursion nach Polen und fanden in Poznań eine ebenso eindrucks- wie würdevolle Gedenkstätte.

Das Fort VII („Fort Colomb“) ist ein Teil der in den 1870er-Jahren errichteten Festung Posen, in dessen Anlagen nach der deutschen Besetzung bereits Anfang Oktober 1939 das erste Konzentrationslager auf polnischem Boden errichtet wurde. Die Festungsanlage am Posener Stadtrand war durch einen tiefen Graben und hohen Festungswall abgesichert, der überdies durch einen Eisenzaun und Drahtverhaue verstärkt wurde. Die Kasematten waren von einem großen Innenhof aus zugänglich.

Als erster Leiter war für wenige Tage der SS-Untersturmführer Herbert Lange verantwortlich. Das Fort VII war das größte Vernichtungslager für polnische Intellektuelle im Warthegau. Grundlage hierfür waren bereits vor Kriegsausbruch erstellte Proskriptionslisten. In den letzten Oktobertagen bis Ende November 1939 ermordeten die deutschen Besatzer unter dem vermuteten Kommando von Herbert Lange in einem Bunker der Anlage etwa 300 Patienten aus polnischen Kliniken durch den Einsatz von Kohlenmonoxid. Im deutschsprachigen Begleitheft der Gedenkstätte heißt es dazu: „Es sei darauf hingewiesen, dass in Fort VII zur Massenvernichtung von Zivilisten erstmals Gas eingesetzt wurde.“

Das Fort VII ist nach vielen Jahren des Leerstands und der Verwahrlosung heute eine wirklich hervorragende Gedenkstätte. Die Anlage und Räumlichkeiten werden durch mehrsprachige Informationen den Besuchern erläutert. Und uns als Besuchern wurde schnell klar: Der Name Herbert Lange ist hier wohl bekannt – genau wie die lange Liste der NS-Täter, die hier ihre Opfer quälten und ermordeten.

Herbert Lange wird in der Ausstellung mehrmals als das erwähnt, was er war: ein NS-Verbrecher. Auch in diesem Raum, der der Vergasung von polnischen Patienten gewidmet ist, wird seine Verantwortung deutlich dokumentiert. Fotos: Peter Hoffmann

Lehren aus der Geschichte?!

Am 16. Februar 2025 befasste sich das NDR-Fernsehen im Nordmagazin mit dem Museumshaus Mönchstr. 38 und den neuen Erkenntnissen zu dessen Bewohner Herbert Lange. Die Sendung in der Rubrik „Zeitreise“ trägt den Titel „Ein Massenmörder und NS-Verbrecher aus Stralsund“. Dazu die Unterzeile „Herbert Lange entwickelte das SS-Sonderkommando Lange – Gaswagen, die extra zum Töten von Menschen gebaut waren“. Hier der link zur Sendung:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Zeitreise-Ein-Massenmoerder-und-NS-Verbrecher-aus-Stralsund,nordmagazin126552.html

Herbert Lange wuchs in dem Haus auf, in dem sich heute die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung befindet. Unerwartet konfrontiert mit der Geschichte einer der Schlüsselfiguren des Holocaust haben wir uns eingehend damit befasst, wie wir mit dieser Tatsache umgehen sollen. Zunächst sind wir zu der Auffassung gelangt, dass eine Buchhandlung als Ort der Kultur und der Aufklärung an diesem Ort die richtige Nutzung ist. Weiterhin haben wir Kontakt zu Organisationen gesucht, die sich dem Umgang mit NS-Geschichte verschrieben haben, wie dem Gedenkort T4/Berlin, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, dem Haus der Wannsee-Konferenz in Potsdam, dem Erinnerungsort Topf und Söhne in Erfurt und dem Museum des Vernichtungslagers in Chelmno/Kulmhof. Einhelliges Resultat unseres umfangreichen Gedankenaustausches war es, möglichst einen aktiven und transparenten Umgang mit der Tätergeschichte Herbert Langes anzustreben. Wobei die Opfer nicht aus den Augen verloren werden dürfen.

Das Museumshaus Mönchstr. 38 bietet als DENKmal und öffentlicher Ort hierzu die einmalige Chance. Andrew Wallis, der britische Publizist, der die Biographie Herbert Langes untersucht hat, wird in der Ostsee-Zeitung vom 06. September 2024 mit den Worten zitiert: „Wir entscheiden, woran wir uns erinnern und was wir vergessen wollen.“ Die Erkenntnisse um Herbert Lange, die nun offenbar wurden, bieten die Chance, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Hier der Täter, Jahrgang 1909. Und im Nachbarhaus ein Junge jüdischen Glaubens, der deportiert und umgebracht wurde. Gleichfalls Jahrgang 1909 … Wir würden es sehr begrüßen, wenn es gelänge, das Museumshaus Mönchstr. 38 als Quelle auch für dieses Kapitel seiner langen und vielfältigen Geschichte zum Sprechen zu bringen.

Im Januar-Schaufenster stellte sich die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung der Frage „Lehren aus der Geschichte?!“. Das sorgte für viele gute Gespräche im Laden. Foto: P. Hoffmann

Eine unerhörte Geschichte – Herbert Lange, einer der übelsten Nazi-Verbrecher, aufgewachsen im Museumshaus Mönchstraße 38

Die Werbelinie der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung zeigt eine Gesamtansicht des Museumshauses Mönchstraße 38, in dem sich unser Lädchen befindet. Und dazu das Motto „Stralsund – eine Stadt voller Geschichte und Geschichten“, das sowohl das Verlagsprogramm widerspiegelt als auch auf das geschichtsträchtige Haus, das Eigentum der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist, verweist. – Als wir vor zehn Jahren, am 11. September 2014, dort die Verlagsbuchhandlung eröffneten, haben wir dies mit Bezug auf den Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 unter das Motto „wider die Barbarei“ gestellt. Von Beginn an haben wir unsere Buchhandlung als einen Ort der Demokratie und der Aufklärung verstanden. – Für die Teilhabe an Demokratie, für die eigene Meinungsbildung ist das Lesen Grundvoraussetzung.

Seinerzeit konnten wir nicht ahnen, mit welcher Geschichte wir uns zu unserem zehnjährigen Bestehen konfrontiert sehen. Am Freitag, 06. September 2024, titelte die Ostsee-Zeitung auf der Lokalseite: „Britischer Autor auf den Spuren von Stralsunds schlimmstem Massenmörder“. Darunter formatfüllend ein Foto des Autors Andrew Wallis mit verschränkten Armen vor dem Museumshaus, vor der geöffneten Ladentür der Buchhandlung. Sowie der einleitende Satz, dass dieser sich eigentlich nicht vor dem Haus fotografieren lassen wollte, um „nicht zu sehr mit Lange verbunden zu sein“, wie Andrew Wallis zitiert wird. Das Stralsunder Museumshaus – ein Unort, mit dem man besser nichts zu tun haben möchte? Zudem deutet der Artikel an, dass das Stralsund-Museum als Treuhänder des historischen Gebäudes die Auseinandersetzung mit dem Thema Herbert Lange verweigere: Es gebe keinen Hinweis in der Ausstellung, dass einer der übelsten Nazi-Schergen in diesem Haus „zwei Drittel seines Lebens verbrachte“, heißt es dort.

Nun handelt es sich bei Herbert Lange tatsächlich um einen der schlimmsten Nazi-Verbrecher. Er war führend mit der Umsetzung der Aktion T4 betraut, der sogenannten „Vernichtung lebensunwerten Lebens“. Herbert Lange war der erste Kommandant des ersten Vernichtungslagers Chelmno, der dort mit dem „Kommando Lange“ die sogenannte „Endlösung“ unter dem Einsatz von Gaswagen erstmals massenwirksam in die Praxis umgesetzt hat. Er ist damit zweifelsohne eine Schlüsselfigur des Holocaust. Chelmno als Standort der ersten Vergasungsanlagen wurde im Gedächtnis der Menschheit zum Synonym für Unmenschlichkeit. Dabei war Herbert Lange kein bloßer Schreibtischtäter, sondern ein Schlächter, der vor Ort gemordet hat. Späterhin war er in Berlin mit der Verfolgung der Verschwörer des gescheiterten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 befasst, wofür er von Heinrich Himmler ausdrücklich belobigt wurde.

Dies alles beschreibt der Wissenschaftler und Autor Andrew Wallis in seinem Artikel „Herbert Lange – Stralsunds „vergessener“ Mann mit einem „unvergesslichen“ Leben““, erschienen in den „Stralsunder Heften für Geschichte, Kultur und Alltag“, herausgegeben im Verlag Edition Pommern vom Stadtarchiv Stralsund, der Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen und dem Stralsunder Geschichtsverein e.V. Das Heft ist in unserer Buchhandlung erhältlich.

In einem Vortrag in der Kreisvolkshochschule präsentierte Andrew Wallis am 10. September 2024 seine Forschungsergebnisse in einem einstündigen Vortrag. Das Interesse war groß, der Saal vollbesetzt, die anschließende Diskussion nochmals aufklärend und wegweisend.

Nun ist Herbert Lange in Stralsund – im heutigen Museums- und Denkmalhaus Mönchstraße 38 – aufgewachsen, hat dort zwei Drittel seines Lebens – mithin seine prägenden Jahre – verbracht: ein Junge, ein junger Mann wie viele andere. Aufgewachsen in diesem Haus mit den gleichaltrigen Nachbarskindern Gerhard und Felix Gerson sowie Max Cohn, die zur gleichen Zeit in der Mönchstraße 31 und 37 wohnten und aufgrund ihres jüdischen Glaubens aus Stralsund deportiert und umgebracht wurden. Täter und Opfer in buchstäblich engster Nachbarschaft. Auch das macht das Haus Mönchstraße 38 zu einem Kristallisationspunkt von Geschichte.

Nicht zu leugnen ist die direkte persönliche Verbindung, die vom Museumshaus Mönchstraße 38 zu den übelsten Verbrechen des Dritten Reiches führt. Als Erstes kamen uns die eindringlichen Chelmno-Szenen in Claude Lanzmanns filmischer Dokumentation „Shoah“ in den Sinn. Wir haben unsere Frage, ob das Museumshaus durch den Fall Herbert Lange womöglich kontaminiert sei, mit Andrew Wallis diskutiert. Er verneinte: Wallis geht es vielmehr um Erinnerung und Gedenken, um die Wechselwirkung von Vergangenheit und Gegenwart. Darum, woran wir uns erinnern wollen. Und darum, was wir zu vergessen trachten.

Herbert Lange und seine Verbrechen gegen die Menschheit nicht zu thematisieren, dürfte sich allein schon wegen der historischen Relevanz dieses Nazi-Verbrechers verbieten. Gerade an einem öffentlichen Ort wie dem Museumshaus, das als Denkmal ausdrücklich dem Erinnern und Bewahren von Geschichte gewidmet ist.

Herbert Lange gehört zur Geschichte des Hauses Mönchstraße 38. Der Auftrag ist es, für unsere Zeit daraus zu lernen. Nicht zuletzt angesichts der heutigen politischen Herausforderungen. Wir sehen dies als Verpflichtung und werden versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten: An diesen Ort gehört eine Buchhandlung. Dieser Überzeugung sind wir nun mehr denn je.

„Ich bin einmal so tief in Blut gestiegen, Dass, wollt‘ ich nun im Waten stille stehn, Rückkehr so schwierig wär‘, als durch zu gehn.“

William Shakespeare (1564 – 1616), Macbeth, um 1608, Erstdruck 1623, hier übersetzt von Friedrich Schiller, 1800. 3. Aufzug, 4. Szene, Macbeth.

Was ist Herbert Lange widerfahren? Wie wurde er zu einem Menschen bar jeder Moral? Andrew Wallis führte in seinem Vortrag diesen Verweis auf Shakespeares „Macbeth“ an.