Premierenlesung für den Tribseer Stadtschreiber

Eine Woche nach Erscheinen seines neuen Romans „Troja, später Nachmittag“, stellte Autor Gregor Sander das Buch in Tribsees vor. Ein ungewöhnlicher Ort für eine Premierenlesung. Und doch begrüßten sich im Gemeindehaus der kleinen Stadt an der Trebel alle mit großer Vertrautheit und Herzlichkeit. Denn Gregor Sander war in den zurückliegenden Monaten Stadtschreiber in Tribsees.

Die rührige Kirchengemeinde hat in einem der historischen Stadttore einen Rückzugsort für Schriftsteller geschaffen, wo sie monatelang in Ruhe arbeiten können. Eine Miete wird dafür nicht fällig. Die Stadtschreiber „bezahlen“ ihr Refugium vielmehr mit Lesungen in Tribsees und umliegenden Orten. Der Gewinn für beide Seiten liegt auf der Hand: Autoren finden eine kostenlose Arbeitsstätte ohne Ablenkung. Und die Tribseer bekommen hochwertige Kultur in ihre Stadt.

Gregor Sander war bereits der zweite Stadtschreiber im Tribseer Tor. Vor ihm nutze schon Manja Präkels, Autorin des bekannten Buches „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ die Gelegenheit. Auch daraus sind viele persönliche Beziehungen erwachsen, die den Organisatoren Mut für weitere Einladungen machen. Ein dritter Kandidat ist bereits in Sicht, wird aber noch nicht verraten.

Gregor Sander jedenfalls kam gerne nach Tribsees zurück und las dort aus seinem druckfrischen Roman, der sich Heinrich Schliemann widmet. Er gewinnt darin der Biografie des berühmten Altertumsforschers noch ganz neue Seiten ab. Dass beide Mecklenburger sind – Sander kommt aus Schwerin, Schliemann stammte aus Ankershagen – schlägt sich in der Sprache des Romans nieder. Eine Sprache, die man auch in Tribsees gut verstand, wie der Beifall im voll besetzten Gemeindesaal bewies.

Die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung empfand es als Ehre, für diesen Premierenabend den Büchertisch präsentieren zu dürfen. Die Lesung mit Gregor Sander sorgte dafür, dass das bemerkenswerte Stadtschreiber-Projekt auch in Stralsund allmählich Interesse weckt. 

Premiere für „Troja, später Nachmittag“ im vollbesetzten Gemeindesaal von Tribsees. Gregor Sander hat dort als Stadtschreiber viele freundschaftliche Bande geknüpft. Foto: K. Kawohl

Global und erfrischend

Wer einen Tag in der deutschen Hauptstadt Berlin verbringt, sollte es nicht auslassen, den kleinen, aber sehr feinen „Chapters Bookshop“ in der Wilsnacker Straße 60 zu besuchen. In dieser umgebauten ehemaligen Metzgerei findet man ausgewählte englischsprachige Bücher, jedes einzelne handverlesen von der Eigentümerin Sharmaine Lovegrove, die mit Wissen und Liebe ihre ganz eigene Auswahl zusammenstellt. Es lohnt sich, in den nach Themen und nicht nach Genre sortierten Regalen zu stöbern, denn hier findet man ganz sicher Titel, die die Bestsellerlisten nicht entdecken und wird dazu gut beraten. Global, erfrischend und ein wahrer Ort des vergnügten Schmökerns, lässt sich der „Chapters Bookshop“ nur empfehlen. Wer mehr erfahren will, kann gerne auf dessen Website nachschauen: www.chaptersberlin.com.

PS: Wer den weiten Weg bis in die Bundeshauptstadt nicht auf sich nehmen will, aber trotzdem gute englischsprachige Bücher lesen möchte, der kann gerne in der STRANDLÄUFER-Verlagsbuchhandlung vorbeigucken: Dort gibt es auch eine gut kuratierte englischsprachige Ecke!

Wenig erinnert hier noch an eine Fleischerei: Chapters Bookshop in Berlin lädt mit einem gut sortierten englischspachigen Sortiment zum Stöbern ein. Foto: E. Hoffmann

Messefieber und geheimnisvolles Backwerk in Loitz

Am STRANDLÄUFER-Messestand bei Katrin Hoffmann gab es nicht nur frische Büher und interessante Gespräche, sondern auch eine Kostprobe aus dem Vorpommern-Backbuch „Pfeffernüsse und Platenkauken“, die für allerhand Rätselraten sorgte. (Foto: J. Lindemann)

Bereits zum vierten Mal war das kleine Peene-Städtchen Loitz am 1. September-Wochenende Gastgeber für die Vorpommersche Buchmesse. 14 Aussteller trafen sich im idyllischen „KulturKonsum“, stellten sich und Regionalliteratur aus Vorpommern vor. Übrigens wieder bestens versorgt und betreut von den rührigen Mitgliedern des Loitzer Heimatvereins. Allen Mitstreitern ein herzliches Dankeschön für das gelungene Messe-Wochenende. Auch für den STRANDLÄUFER-Verlag war es eine erfolgreiche Veranstaltung mit vielen guten Gesprächen. Eine besondere Rolle spielte dabei ein geheimnisvolles Gebäck: Katrin Hoffmann hatte nach einem 200 Jahre alten Rezept einen leckeren Kuchen gebacken und zur Verkostung mitgebracht, der weder ein Gramm Fett noch einen Krümel Getreide enthielt. Das Rätselraten war groß und die Lösung war im vorpommerschen Backbuch „Pfefferkuchen und Platenkauken“ zu finden: Es handelte sich um eine traditionelle pommersche Kartoffeltorte. Wer das Rezept nachlesen möchte, findet das Backbuch selbstverständlich in der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung oder gleich hier im STRANDLÄUFER Online-Shop.

 

Vorsicht Satire!

Ins Edelgas-Erlebniszentrum Kötzschenbroda entführte Max Goldt das faszinierte Publikum seiner Lesung am 04. September im Stic-er-Theater in der Alten Eisengießerei in der Stralsunder Frankenstraße. „Edelgas-Erlebniszentrum Kötzschenbroda“ ist der Titel eines Kapitels aus seinem aktuellen Buch „Aber?“, in dem eine namentlich nicht näher bezeichnete „Strichjungentochter“ anlässlich einer Veranstaltung mit dem Titel „Geschlechtergerechte Sprache – Allererste Sahne oder gequirlter Quark?“ im Kulturhaus „Tivoli“ über das von ihrem Vater nach der Wende in seinem Heimatort Kötzschenbroda eröffnete, vielbesuchte Ausflugsziel berichtet. Dort findet sich auf Seite 46 sogar ein direkter Stralsund-Bezug. Doch Obacht: Es handelt sich um Satire! Und die ist von der Kunstfreiheit gedeckt.

Der vielseitige Künstler erwies sich wieder einmal als Großmeister der deutschen Sprache und präsentierte seinem Publikum eine bunte Mischung literarischer Kleinodien. Beste Unterhaltung mit durchaus philosophischem Tiefgang. Am Ende alle begeistert und Max Goldt fleißig am Signieren.

(Foto: P. Hoffmann)

Reisezeit-Bücherzeit: Das schöne Bratislava an der Donau

Nur eine Stunde mit dem Zug von Wien entfernt, ist Bratislava ein eher unbekanntes Reiseziel in Europa – und trotzdem lohnt es sich für einen mehrtägigen Trip! Der STRANDLÄUFER-Nachwuchs verbrachte drei Tage in der schönen Stadt an der Donau und besuchte auch den einen oder anderen Buchladen. Hier muss sich Bratislava nicht verstecken: In der „MEGABOOKS“-Buchhandlung liegen brandneue englische Titel neben erschwinglicher Secondhand-Ware (auch auf Deutsch!), die Auswahl eindeutig handverlesen und exquisit. Im „Brot Books Deli“ findet man gesellschaftskritische Romane und bei „Adka Books“ stapeln sich die besten Titel wortwörtlich vom Boden bis unter die Decke. Alles fußläufig erreichbar, ist die Altstadt von Bratislava nicht nur wegen ihrer Buchhandlungen einen Abstecher wert, sondern auch wegen ihrer mittelalterlichen Architektur, dem leckersten Eis und einer der besten Bars in Europa: „The Half-Blind Pig“. (Foto: privat)

Frische Bücher für die Wortschatzkiste

Pünktlich mit dem neuen Schuljahr startete für eine zweite Klasse der Grundschule „Hermann Burmeister“ ein neues Leseprojekt: Buchhändlerin und Autorin Katrin Hoffmann überbrachte eine Schatzkiste voller nagelneuer Bücher für die Leseanfänger, die nun das Schuljahr über darin nach bisher unbekannten, besonders schönen oder selten gebrauchten Wörtern suchen werden. Ihre gesammelten Wort-Schätze schreiben die Kinder auf kleine Zettel und verstauen sie in einem Schatzkästchen. Und am Ende des Schuljahres wird ausgewertet, was sie so alles Interessantes gefunden haben.

„Das von uns initiierte Projekt Wortschatzkiste geht damit ins dritte Jahr. Jedes Jahr findet sich eine Klasse mehr, die es nutzen möchte“, berichtete Katrin Hoffmann und freute sich sehr über diese Entwicklung. Auch eine Schule von der Insel Rügen hat Interesse angemeldet und wird wahrscheinlich in diesem Schuljahr noch mitmachen. Das Projekt dient der Leseförderung und Wortschatzerweiterung bei Grundschülern. Die Auswahl geeigneter Bücher, die in der Schatzkiste landen, trifft die erfahrene Buchhändlerin nach Rücksprache mit der Klassenleiterin. Sie hilft auch bei der Suche nach Sponsoren, wenn die Klassenklasse die Anschaffungskosten alleine nicht hergibt.

Die Zweitklässler in der Burmeister-Grundschule hatten Glück: Für sie spendete eine pensionierte Pädagogin 200 Euro. Dafür durfte sie als Gast bei der Auftaktveranstaltung anwesend sein und ein herzliches Dankeschön von den Kindern entgegennehmen. Die zeigten sich derart begeistert von den funkelnagelneuen Büchern, dass sie sofort loslegen wollten. Wünschen wir ihnen eine spannende Schatzsuche!

Klassenleiterin Kathrin Luska (rechts) von der Grunschule „Hermann Burmeister“ holte für ihre 2. Klasse die Schatzkiste für das neue Leseprojekt in der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung ab. Buchhändlerin Katrin Hoffmann half bei der Sponsorensuche und der Auswahl geeigneter Bücher. (Foto: privat)

Unbedingt einen Abstecher wert …

… ist das vor den Toren der Stadt Cottbus gelegene Schloss Branitz des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (geboren 1785 auf Schloss Muskau, gestorben 1871 auf Schloss Branitz). Der 1822 in den Fürstenstand erhobene Adelige war Generalleutnant, Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender. Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, sowie der gut dreißig Kilometer entfernt gelegene Schlosspark Branitz geben beredtes Zeugnis seines landschaftsgestalterischen Wirkens. 

Da er sich mit der Anlage seines Parks in Muskau finanziell übernommen hatte, verkaufte er 1845 die Standesherrschaft Muskau. Er zog auf sein Erbschloss Branitz bei Cottbus. Den Erlös aus dem Verkauf von Muskau verwendete er, um das Schloss Branitz umbauen zu lassen und um erneut einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild anzulegen. Seine letzte Ruhe fand der Fürst nach einem ebenso bewegten wie schillernden Leben an der Seite seiner Frau in der ikonischen Pyramide im See im Branitzer Park. 

Schloss Branitz ist als Museum öffentlich zugänglich und vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom extravaganten Leben und Wirken seines berühmten Bewohners. „1837 kaufte er auf dem Sklavenmarkt in Kairo die etwa 11-jährige Machbuba und nahm diese mit auf seine weitere Reise. Er reiste 1837 weiter in den Sudan, bis er 1838 südlich von Khartum entkräftet den Rückweg antrat. Er nahm Machbuba mit nach Europa, die ab dann als seine Mätresse in Muskau lebte. Das Mädchen verstarb am 27. Oktober 1840 in seinem Schloss und wurde in Muskau begraben.“ Heißt es bei wikipedia im Artikel über den Fürsten Pückler. Ein Aspekt seines Lebens, der heute gewiss anders bewertet werden würde. Darüber kann man trefflich nachsinnen bei einem „Fürst-Pückler-Eis“ in der Schlossgastronomie.

In der Bibliothek des Branitzer Schlosses findet sich auch ein Geschenk der britischen Königin an den Deutschen anlässlich Ihres Staatsbesuches 2015 bei Bundespräsidenten Joachim Gauck: eine kunstvoll gebundene Zusammenstellung der zeitgenössischen englischen Ausgabe der Briefe des Fürsten Pückler (Foto: Peter Hoffmann) 

 

Max Goldt live

Der Satiriker Max Goldt ist am 4. September 2026 live in Stralsund zu erleben. Auf Einladung der STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung stellt der namhafte Schriftsteller, Musiker und Bühnenkünstler sein neuestes Buch „Aber?“ vor. Der geschliffene Stilist mit der spitzen Feder schildert in scheinbar alltäglichen Szenen, wie komisch unser Zusammenleben ist und spießt dabei so manche Entgleisung der Sitten und Gebräuche auf.

Max Goldt wurde 1958 in Göttingen geboren und lebt heute in Berlin. Vielen dürfte er als langjähriger Kolumnist des Satire-Magazins „Titanic“ bekannt sein. Seit 1996 ist er Teil des Comicduos Katz & Goldt, auf das sich seine literarische Tätigkeit seit den 2010er Jahren konzentriert. Außerdem ist er Mitglied der 1981 gegründeten Band Foyer des Arts. 2008 wurde Goldt auf Empfehlung von Daniel Kehlmann mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es, Goldt habe den deutschen Alltag „bis zur Kenntlichkeit entstellt“. Eine ähnliche Formulierung hatte Goldt in einem früheren Text parodiert.

Sein Gastspiel in Stralsund am 4. September 2026 beginnt um 19 Uhr in der Alten Eisengießerei (Frankenstr. 61). Der Kartenvorverkauf läuft über die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung, Mönchstr. 38, Tel. 03831/6660555, info@strandlaeufer-verlag.de. Die Tickets kosten 20 Euro.

 

Die nächste Buchmesse ruft!

Am ersten September-Wochenende ist es wieder soweit: Verlage und Autoren laden ein zur nächsten Vorpommerschen Buchmesse. Erneut wird der KulturKonsum in Loitz Gastgeber dieser jährlichen Veranstaltung sein, auf der das Publikum Neuerscheinungen und Longseller der vorpommerschen Regionalliteratur entdecken, mit den Autorin ins Gespräch kommen und Lesungen erleben kann.

Die Messe ist am 5. September 2026 von 10 bis 17 Uhr und am 6. September 2026 von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Lesungsreigen wird am Samstag um 13 Uhr mit Kinderbüchern von Martina Loose eröffnet. Es folgen im Stundentakt Christine Koch, die für einen Perspektivwechsel wirbt und auf die kleinen Dinge im Alltag aufmerksam macht, und Reinhard Bach, der über Ernst Moritz Arndt spricht. Am Sonntag beginnt die erste Lesung um 13 Uhr mit Frank Biederstaedt, der ein Buch über die Entwicklung der Fotografie in der Region veröffentlicht hat. Um 14 Uhr lädt die Journalistin Janet Lindemann zu einer Spielrunde mit dem druckfrischen Rügen-Quiz ein. Und um 15 Uhr stellt der STRANDLÄUFER-Autor Peter Hoffmann seinen realsatirischen Stralsund-Krimi „Echte Strunken“ dem Loitzer Publikum vor.

Der KulturKonsum in Loitz war schon mehrfach Gastgeber für die Vorpommersche Buchmesse und versorgt die Besucher mit Selbstgebackenem und kräftigem Imbiss. Zu finden ist das restaurierte Ensemble in der Peenestraße 8. Die idyllisch an der Peene gelegene kleine Stadt ist schon lange ein beliebtes Ausflugsziel und erweist sich stets als guter Gastgeber. Die Buchschaffenden der Region freuen sich darauf, sich dieses Jahr wieder dort versammeln zu können.

Auf literarischer Entdeckungstour durch Stralsund

Auf dem Alten Mark vor dem Goldenen Löwen gab es schon allerhand Literarisches zu entdecken für die Tagesspiegel-Reisegruppe. Katrin Hoffmann erzählte beispielsweise über den „Jungherrn von Stramin“ von Hans Fallada. Foto: D. Nolte

Wenn 32 unternehmungslustige Senioren aus Berlin eine Lesereise nach Stralsund und Wismar unternehmen, dann können sie was erleben: Der Tagesspiegel hatte kürzlich zu einer Leserreise an die Küste eingeladen, die von der Journalistin Dorothee Nolte begleitet und bei der besonders auf kulturelle Aspekte in den alten Hansestädten aufmerksam gemacht wurde. Einen Vormittag verbrachte die Reisegruppe mit der Autorin, Verlegerin und Buchhändlerin Katrin Hoffmann, die zu einem literarischen Streifzug durch die Altstadt aufrief. „Die Stoffe liegen bei uns auf der Straße“, bekannte die Bücherfrau und erzählte allerhand Interessantes und Unterhaltsames über Hans Fallada, Elizabeth von Arnim, Heinrich Alexander Stoll oder Benno Pludra. Sie alle nutzten Stralsund in ihren Romanen und Erzählungen und arbeiteten literarisch Puzzlestücke der Stadtgeschichte auf.

Die Berliner Senioren zeigten sich sehr angetan von der literarischen Wanderung. Viele lernten Stralsund und Wismar zum ersten Mal kennen und zeigten sich begeistert. Es sollte nicht wundern, wenn etliche von ihnen als Besucher wiederkehren.

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