Das STRALSUND-Kochbuch

Ein Kochbuch von Stralsundern für Stralsunder und ihre Gäste. Mit mehr als 120 Rezepten von Pfeffersäcken und armen Schluckern, aus Omas Familiensammlung und aus der Schulspeisung, von Chef- und Hobbyköchen. Gewürzt ist das Ganze mit allerhand Historischem und Kuriosem, garniert mit vielen Erinnerungen an Geschmack, Geruch und Gesicht einer 780 Jahre jungen Hansestadt.

Katrin Hoffmann
Stralsund-Kochbuch
Geschichten & Rezepte aus der Hansestadt,
Illustrationen Jan Pioch, Titelfoto Petra Sandmann,
2. erweiterte Auflage, Stralsund 2010, 244 Seiten, Hardcover, Fadenbindung, 20 x 20 cm
ISBN 978-3-941093-05-8

15,90 

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Willkommen in der Hansestadt Stralsund!

Wo man viele Gäste empfängt, wird reichlich aufgetragen. Und wo man hart arbeitet, wird auch gern getafelt (und gebechert). Daran dürfte sich seit der Hansezeit wenig geändert haben.

Es gehört zu den hanseatischen Tugenden, auch Schwächen einzuräumen. Geben wir es also freimütig zu: Eine Stralsunder Küche in des Wortes engerer Bedeutung gibt es natürlich nicht. Wir sind nicht in Paris oder Wien, noch nicht einmal in Berlin. Aber gut gekocht und gern gegessen wird auch am Sund. Und zwar am liebsten Fisch und Schwein. Dazu Tüften und Wruken (Kartoffeln und Steckrüben), Bohnen und Kohl – aber bitte den Speck am Gemüse nicht vergessen. Die süßen Suppen – im Sommer aus frischen Erdbeeren oder Kirschen, im Winter aus Trockenobst – unbedingt mit Mehlklütern (das sind kleine, ungeformte Klößchen). Alle Soßen und Ragouts süßsauer abgeschmeckt, am besten mit Essig und Rübensirup. Letzterer macht auch die Braten so schön knusprig und glänzend. Das Brot eher dunkel als hell, dafür das Bier lieber hell als dunkel. Dann gibt es da noch solche merkwürdigen Sachen wie Tollatschen, Fischkartoffeln, Boworskis und Prasselkuchen …

Sie merken schon: Es gilt allerhand Küchengeheimnisse zu entdecken. Und dazu kurzweilige Geschichten, die die Stralsunder gerne preisgeben, wenn’s ums Essen und Trinken in ihrer Heimatstadt geht. Viele sind überliefert von den Großeltern her, Geschichten wie Rezepte. Daran haben Betriebskantinen und Schulspeisung zu DDR-Zeiten nichts geändert. Obwohl sich auch da leckere Sachen erhalten haben. Heute wird zudem reichlich experimentiert mit all dem neumodischen Kram, der in den Kaufhallen – pardon, Supermärkten – angeboten wird. Und was in der Region wächst und gedeiht, steht wieder ganz hoch im Kurs, ob Bio-Rind oder wilder Sanddorn.

Woher man alle diese leckeren Rezepte bekommt? Man muss die Stralsunder nur danach fragen. Die Gastronomen und Hobbyköche, die Eltern und Geschwister, die Großmütter in den Feierabendheimen und Seniorenclubs. Und was selbst die nicht mehr wissen, das ist bestimmt im Stadtarchiv Stralsund aufgehoben: eine wahre historische Fundgrube, auch für Nachforschungen kulinarischer Art.

Also: Lassen Sie sich überraschen von der Stralsunder Küche. Viel Vergnügen beim Schmökern und Nachkochen! Alle Rezepte – von den Autoren im Selbstversuch getestet und für gut befunden – sind für vier Personen berechnet.

Und noch einmal:

Herzlich willkommen in unserer Stadt sagen
Katrin und Peter Hoffmann

 

Stralsunder Aalsuppe

750 g frischer Aal
200 g Suppengrün
600 g Kartoffeln
100 g Butter
100 g Mehl
2 Eier
1/8 l Milch oder Wasser

Frisch gefangenen Aal in einem großen Gefäß mit einer Handvoll Salz »totlaufen« lassen. Dann abziehen, ausnehmen und gründlich waschen. In etwa zwei Zentimeter lange Stücke schneiden. Suppengemüse putzen und grob würfeln. Beides zusammen mit leicht gesalzenem Wasser bedecken, aufkochen und 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den Fisch herausnehmen und warm stellen. In den Fond die geschälten und gewürfelten Kartoffeln geben und garen. Einen Kloßteig aus Mehl, Eiern und Milch oder Wasser bereiten. Kleine Klößchen mit dem Löffel abstechen und in kochendes Salzwasser geben. Sie sind gar, wenn sie an der Oberfläche schwimmen. Abgießen und zusammen mit den Aalstücken zurück in die Suppe geben. Alles noch einmal gemeinsam kurz durchziehen lassen.