Nachtrag zu Bernau

Am 11. September 2026 erreichte uns eine Mail von Herrn Klaus-Dieter Jäschke aus Bernau, in welcher er uns mit Fotobeweis mitteilte, dass die Grabplatte mit dem Namen Herbert Langes und dem mutmaßlichen Sterbedatum rückgetauscht wurde und wieder an ihrem Platz liege. Im Übrigen sei er für diese Kennung am Ort.

Die Sammelgrabstätte, in der Herbert Lange mutmaßlich bestattet ist, liegt in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs des Neuen Friedhofs an der Bernauer Jahnstraße. Inzwischen konnten wir uns vor Ort überzeugen, dass unlängst tatsächlich ein Rücktausch der Grabplatte erfolgte.

 Herbert Langes Grabplatte befindet sich wieder an ihrem bisherigen Platz. Foto: Peter Hoffmann

An der kleinen Grabanlage mit einem Halbrund von Grabplatten um einen Stein mit der Aufschrift „Ruhet in Frieden“ kommen viele der Bernauer Friedhofsbesucher vorbei, die sich gewiss fragen, warum hier augenscheinlich gut achtzig Jahre nach Kriegsende Grabplatten neu verlegt werden. Nicht zu Unrecht.

Der Eingriff in eine bestehende Kriegsgräberstätte ist gewiss nicht unproblematisch. Allein schon von den Zuständigkeiten und gesetzlichen Regelungen her. Die Anlage in Bernau steht unter der Verwaltung der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde. Die Kommune, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und ggf. Landesbehörden dürften ebenfalls in die anstehenden Fragen involviert sein. Hier wäre das besagte „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz)“ zu konsultieren.

Wie geht man mit dem mutmaßlichen Grab eines solchen NS-Kriegsverbrechers, der Zehntausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, auf dieser Kriegsgräberstätte um? Wie wird man der tatsächlichen Kriegsopfer gerecht, die mit ihm auf dem Bernauer Friedhof ruhen? Wie ist es zu vertreten, dem Massenmörder Lange dauerhaft und auf Staatskosten die Grabpflege zu bezahlen und ihn damit zu ehren, während er seine Opfer namenlos vernichtete? 

Besteht die Gefahr, dass das Grab Langes womöglich zu einer Wallfahrtsstätte für Rechtsextreme wird?

Und überhaupt: Ist Herbert Lange tatsächlich dort beerdigt? Sollte man hier nicht zunächst ein für alle Mal die Fakten klären? – So berichtet etwa Johannes Tuchel in dem Buch über die Sicherheitspolizeischule Drögen (siehe Beitrag vom 24. März 2026) davon, dass es Mitte der 50er-Jahre einen Aktenvermerk gab, Herbert Lange sei inzwischen im Staatssicherheitsdienst der DDR tätig. Belege dafür hätten sich allerdings nicht finden lassen …

Was sagen die Bernauer Friedhofsnutzer zu diesen Erkenntnissen? Sollte man den Sachverhalt öffentlich thematisieren und dokumentieren? Auf dem Friedhof selbst oder an einem anderen Ort?

Fragen über Fragen. Zu hoffen ist, dass die Verantwortlichen mit Stringenz und Sensibilität zu einer guten Lösung gelangen.