Buggestraße 7 in Berlin-Steglitz

Buggestraße 7, Herbert Langes Wohnadresse in Berlin-Steglitz (Foto: Peter Hoffmann)
„Neben den Fahrten nach Litzmannstadt, wo er sich mit Hans Biebow, dem Ghettoverwalter, traf, um z. B. die beste Methode zur Verarbeitung der von den Toten geborgenen Stapel von Wertsachen und Kleidung zu besprechen, ließ sich Lange am Ende der meisten Wochen von seinem Fahrer Burmeister nach Posen zurückbringen, wo er sich mit seinem Gestapo-Team und seinen Vorgesetzten traf. Dies ermöglichte ihm auch, am Wochenende mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern Freizeit zu verbringen und vielleicht eine Partie Tennis zu spielen, was er sehr genoss, bevor er zu Beginn der neuen Woche ins Vernichtungslager zurückkehrte, um die ‚Arbeit‘ wieder aufzunehmen.“ So schreibt Andrew Wallis auf Seite 95 in den Stralsunder Heften vom September 2026 (s.u.).
Herbert Langes Wette auf eine bessere Zukunft schien aufzugehen. Dies war auf alle Fälle ein ganz anderes Leben mit Fahrer und Tennisspiel am Wochenende als seinerzeit unter den prekären Verhältnissen in seinem Elternhaus, der Mönchstraße 38 am Stralsunder Neuen Markt. 1942 kehrte Lange nach Berlin zurück, um für das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu arbeiten. Seine Berliner Wohnadresse war die Buggestraße 7 in Berlin-Steglitz unweit des U-Bahnhofs Breitenbachplatz an der U-Bahn-Linie 3. Das Gebäude steht heute noch. Der U-Bahnhof wurde im Krieg kaum zerstört und zeigt noch heute Teile der originalen Ausstattung aus der Zeit der Inbetriebnahme im Jahr 1913. Eine ruhige Seitenstraße führt durch eine auch heute begehrte Wohngegend. Damals war das Gebäude neu, modern und bot allen Komfort der Zeit. Der Vergleich mit der abgewohnten, von den Jahrhunderten gebeugten Mönchstraße 38 spricht Bände. Von der Buggestraße aus machte sich Herbert Lange auf zu seinen Ermittlungen und Verhören, hierher kehrte er anschließend zu seiner Familie zurück. So und ähnlich wohnten die Täter.
Unwillkürlich ertappt man sich bei der Frage, was geschehen wäre, wäre Herbert Langes Wette auf die Zukunft aufgegangen. Welchen Weg hätte er noch genommen? Was hätte das für uns alle bedeutet?