Lehren aus der Geschichte?!

Am 16. Februar 2025 befasste sich das NDR-Fernsehen im Nordmagazin mit dem Museumshaus Mönchstr. 38 und den neuen Erkenntnissen zu dessen Bewohner Herbert Lange. Die Sendung in der Rubrik „Zeitreise“ trägt den Titel „Ein Massenmörder und NS-Verbrecher aus Stralsund“. Dazu die Unterzeile „Herbert Lange entwickelte das SS-Sonderkommando Lange – Gaswagen, die extra zum Töten von Menschen gebaut waren“. Hier der link zur Sendung:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Zeitreise-Ein-Massenmoerder-und-NS-Verbrecher-aus-Stralsund,nordmagazin126552.html

Herbert Lange wuchs in dem Haus auf, in dem sich heute die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung befindet. Unerwartet konfrontiert mit der Geschichte einer der Schlüsselfiguren des Holocaust haben wir uns eingehend damit befasst, wie wir mit dieser Tatsache umgehen sollen. Zunächst sind wir zu der Auffassung gelangt, dass eine Buchhandlung als Ort der Kultur und der Aufklärung an diesem Ort die richtige Nutzung ist. Weiterhin haben wir Kontakt zu Organisationen gesucht, die sich dem Umgang mit NS-Geschichte verschrieben haben, wie dem Gedenkort T4/Berlin, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, dem Haus der Wannsee-Konferenz in Potsdam, dem Erinnerungsort Topf und Söhne in Erfurt und dem Museum des Vernichtungslagers in Chelmno/Kulmhof. Einhelliges Resultat unseres umfangreichen Gedankenaustausches war es, möglichst einen aktiven und transparenten Umgang mit der Tätergeschichte Herbert Langes anzustreben. Wobei die Opfer nicht aus den Augen verloren werden dürfen.

Das Museumshaus Mönchstr. 38 bietet als DENKmal und öffentlicher Ort hierzu die einmalige Chance. Andrew Wallis, der britische Publizist, der die Biographie Herbert Langes untersucht hat, wird in der Ostsee-Zeitung vom 06. September 2024 mit den Worten zitiert: „Wir entscheiden, woran wir uns erinnern und was wir vergessen wollen.“ Die Erkenntnisse um Herbert Lange, die nun offenbar wurden, bieten die Chance, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Hier der Täter, Jahrgang 1909. Und im Nachbarhaus ein Junge jüdischen Glaubens, der deportiert und umgebracht wurde. Gleichfalls Jahrgang 1909 … Wir würden es sehr begrüßen, wenn es gelänge, das Museumshaus Mönchstr. 38 als Quelle auch für dieses Kapitel seiner langen und vielfältigen Geschichte zum Sprechen zu bringen.

Im Januar-Schaufenster stellte sich die STRANDLÄUFER Verlagsbuchhandlung der Frage „Lehren aus der Geschichte?!“. Das sorgte für viele gute Gespräche im Laden. Foto: P. Hoffmann