Aktion T4 – 10 Reichsmark für ein Menschenleben

Auf dem heutigen Gelände des Gedenk- und Informationsortes an der Berliner Philharmonie/rückseitig des Potsdamer Platzes befand sich in einer der seinerzeit feinsten Wohngegenden Berlins unter der Anschrift Tiergartenstraße 4 eine prächtige spätklassizistische Villa, die 1890 für den Bankier und Kunstmäzen Valentin Weisbach erbaut wurde. 1909 wurde sie von dem jüdischen Textil-Industriellen Georg Liebermann (1844–1926) erworben. Später ging das Gebäude in den Besitz von Eva Köbener und Hans Liebermann (1876–1938), einem der Brüder des Malers Max Liebermann, über. Hans Liebermann wählte am 11. September 1938 den Freitod. Das Gebäude wurde während der NS-Zeit zunächst „quasi beschlagnahmt“ und dann enteignet. Es wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt und später in den 1950er-Jahren abgerissen.

Die „Aktion T4“ ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für den systematischen Massenmord mittels Giftgas an über 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen innerhalb des Deutschen Reiches. Die Mordaktion von 1940 bis 1941 stand unter Leitung der Zentraldienststelle T4, sie war Teil der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus, denen bis zum Kriegsende über 200.000 Menschen zum Opfer fielen. Eine Übersicht mit weiterführenden Verweisen zum Thema bietet der Wikipedia-Eintrag zur „Aktion T4“: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4.

Am historischen Ort der Tiergartenstraße 4 in Berlin-Mitte entstand ein nationaler Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, der am 02. September 2014 eröffnet wurde. Seit den 1980er-Jahren waren an diesem Ort bereits mehrere Gedenkformen und -aktionen entstanden. So wurde eine Stahlskulptur von Richard Serra („Berlin Curves/Berlin Junction“, 1986) 1988 zu einem Monument für die Opfer umgewidmet, daneben wurde eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen. Nach jahrelanger Kritik an der fehlenden Sichtbarkeit des Gedenkortes beschloss der Deutsche Bundestag 2011 die Aufwertung des bereits bestehenden Denkmals.

Herbert Lange wird auch am Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4 herausgehoben als einer der Haupttäter benannt und thematisiert.: https://www.t4-denkmal.de/Herbert-Lange.

In dem abgebildeten Schriftstück geht es um eine „Vorschusszahlung“ im Zusammenhang mit der „Evakuierung“ von Patienten, die sich Herbert Lange „zur Bestreitung seiner laufenden Ausgaben“ genommen hat. Der Preis eines Menschenlebens: 10 Reichsmark.

Fotos: Peter Hoffmann